Dorothee Welter und ihr Engagement im Ostergarten Kempen:Ein anderer Zugang zur Passionsgeschichte
Dorothee Welter ist Lehrerin an einer Realschule. Als Mutter zweier Kinder engagiert sie sich in der Kinderkirche von St. Josef, Kempen. 2023 besuchte sie mit ihrem Team den Ostergarten in Viersen. Die Erfahrung beeindruckte sie so sehr, dass sie sich 2024 sofort beteiligte, als Gemeindereferent Andreas Bodenbender ankündigte, das Projekt im Folgejahr nach Kempen zu holen. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe übernahm sie die inhaltliche und künstlerische Gestaltung einer Station – zunächst 2024 und nun auch in diesem Jahr.
Stationen im Ostergarten
Der Ostergarten wird von zahlreichen Gruppen getragen; insgesamt sind über 150 Personen beteiligt, darunter auch Schulklassen und Jugendgruppen. Welters Kleingruppe bestand aus vier Personen aus dem Umfeld des Familiengottesdienstkreises und der Kinderkirche. Sie waren für die Stationen „Kreuzigung“ und „Grablegung“ verantwortlich. Die Station hatten sie übernommen, weil sie für die anderen Teams „nicht schön“ oder „zu anspruchsvoll“ war. Beim letzten Ostergarten in Kempen hatten sie die Fußwaschung gestaltet; diesmal nahmen sie das, was übrigblieb.
Während das Grundgerüst des Ostergartens wiederverwendet wird, werden die Station je neu entwickelt. Dorothee Welter hat mit ihrem Team ein Grab aus Kaninchendraht, Pappmaché und Packpapier gestaltet. Für die Kreuzigung ließen sie eine Menschensilhouette aus Holz und Holzkreuze aufstellen.
Gestaltung und theologische Überlegungen
Die Gruppe arbeitete inhaltlich intensiv mit den entsprechenden Bibelstellen und dem Oberthema „Jesu Begleiter auf dem Weg“. Sie fragten sich, wie man die Kreuzigung heute miterleben würde, betrachteten die Bedeutung von Maria und Josef von Arimathäa und zogen Parallelen zwischen dem damaligen „Mob“ und heutigen Gaffern bei Unfällen.
Für die Gestaltung sammelte die Gruppe zunächst Ideen im Internet. Welters Mann, Bauzeichner von Beruf, erstellte die technischen Zeichnungen, um die Schreinerarbeiten zu erleichtern. Die großen Holzkreuze wurden aus altem Dachstuhlholz aus dem Betrieb ihres Bruders gefertigt. Die gute Vernetzung in der Kleinstadt half: Ein Schreiner unterstützte sie und laserte die Menschensilhouette aus Holz aus, obwohl er selbst wenig Bezug zur Kirche hat.
Zur Beteiligung der Besucherinnen und Besucher entwickelten sie die Idee, dass kleine Hoffnungskreuze in der Grabkammer an die Wand geklebt werden können, um beispielsweise an Verstorbene zu erinnern. Eine besondere Herausforderung lag in der Beleuchtung der Kreuzigungsszene, zu der die Gruppe ganz konkrete Vorstellungen hatte und um die sie mit dem Beleuchtungsteam intensiv rang.
Die Vorbereitungen von Dorothee Welters Team begannen bereits im November und Dezember. Der Januar war geprägt von intensiver Aufbauarbeit vor Ort, insbesondere durch die vielen Pappmaché- und Malerarbeiten.
Motivation und Resonanz
Dorothee Welter engagiert sich gern im Ostergarten, weil das Projekt generationenübergreifend ist und Verkündigung auf einer anderen Ebene ermöglicht. Es ist für sie ein Gemeinschaftsprojekt, das Kreativität und Herausforderung verbindet. Die 44-Jährige hat gemeinsam mit ihrer Tochter und weiteren Kindern Audiodateien für die offenen Führungen eingesprochen und führt auch selbst durch den Garten, soweit es ihre Zeit erlaubt. Die Rückmeldungen der Besucher sind durchweg positiv. Selbst Kindergartenkinder sind eine Stunde lang aufmerksam dabei. Auch kirchenferne Menschen finden den Weg nach St. Mariae Geburt und fühlen sich von den Stationen angesprochen. Kritik gibt es vereinzelt, dass ein heiliger Ort nicht „verbaut“ werden sollte.
Bedeutung des Ehrenamts und Zusammenarbeit
Das Projekt Ostergarten lebt vollständig vom Engagement vieler Ehrenamtlicher. Besonders der Aufbautrupp war über Wochen hinweg fast jeden Abend und jedes Wochenende im Einsatz. Auch ein harter Kern aus Viersen arbeitete in Kempen mit, weil ihnen das Projekt so viel Freude bereitet. Der Kreis bleibt offen, jedes Jahr kommen neue Gruppen wie Schulklassen oder Firmgruppen hinzu. Der Ostergarten ist damit ein städteübergreifendes und ökumenisches Gemeinschaftswerk.
Von hauptamtlicher Seite fühlte sich Welter gut unterstützt. Gemeindereferent Andreas Bodenbender und Pastoralreferent Harald Hüller trugen die Gesamtverantwortung im Leitungsteam mit der Gemeideassistentin Nadine Mihm, dem Pastoralassistenten Peter Nguyen und der ehrenamtlichen Birgit Müller-Klein und waren jederzeit ansprechbar. Diese Unterstützung sei wichtig, damit Ehrenamt gelingen kann.
