Ein Gespräch mit Gemeindereferentin Susanne Gerhards :Die Natur ist kein Reservoir – sie ist ein Geschenk Gottes

Frau Gerhards, Sie beschäftigen sich intensiv mit schöpfungssensibler Spiritualität. Wie kam es dazu?
Gerhards: Das Interesse daran bestand schon, bevor ich in den Beruf der Gemeindereferentin eingetreten bin – auch wenn ich damals noch keinen Namen dafür hatte. Es ging mir immer um mehr als nur ein naturkundliches Interesse. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man diese Spiritualität in praktische Angebote umsetzen kann. Ein Schlüsselerlebnis war für mich der Kräuterspaziergang zu Mariä Himmelfahrt im vergangenen Jahr. Die teilnehmenden Frauen waren total interessiert und fragten nach weiteren Angeboten. Das hat mich bestärkt, in dieser Richtung weiterzumachen.
Was ist für Sie der Kern dieser schöpfungssensiblen Arbeit?
Gerhards: Es ist ein großer Unterschied, ob man rein naturkundlich oder aus dem Blick der Schöpfungspastoral auf die Natur schaut. Die Wahrnehmung der Schönheit der Natur kann helfen, in eine erweiterte Gottesbeziehung zu gelangen und zu spüren, dass man Teil des Ganzen ist und getragen wird. Wir möchten das Bewusstsein schärfen, dass die Natur kein bloßes Reservoir ist, an dem wir uns bedienen, sondern eine Gottesgabe. Sie ist uns geschenkt und es ist unserer Aufgabe, sie fürsorglich zu behandeln und zu bewahren. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir als Kirche den Blick dafür vermitteln, dass wir nicht ein Gegenüber, sondern Teil der Schöpfung sind, eingewoben und abhängig von diesem Lebensgeflecht.
Wie ist die Idee zum Kräuterkurs mit der Familienkirchen Geistreich entstanden?
Gerhards: Im Austausch mit meiner Kollegin Esther Fothen. Ich habe ihr von dem Kräuterspaziergang erzählt und wir waren uns schnell einig, dass das etwas für die Familienkirche sein könnte. Das grobe Konzept stand bereits nach dem ersten Gespräch: An sieben Samstagen gehen wir an einen Ort, an dem eine bestimmte Pflanze wächst, die wir an diesem Tag besonders in den Blick nehmen.
Was machen Sie dabei konkret?
Gerhards: Zunächst schauen wir uns die Pflanze genau an und erzählen etwas über sie. In der Bibel steht, dass Gott alles gut genannt hat – und das geben wir weiter. Durch unsere Haltung erfahren die Familien etwas von unserer Schöpfungsspiritualität. Oft entstehen dadurch „Aha-Erlebnisse“, weil Menschen Gott plötzlich in einem ganz anderen Licht sehen. Dann sammeln wir Pflanzen und stellen etwas daraus her, zum Beispiel Bärlauchbutter, Kräuterlimo oder Wildkräutertee. Als erstes planen wir eine Bärlauch-Wanderung in der Nähe von Linnich an einem Nebenarm der Rur. Dort gibt es eine Wanderhütte, wo wir auch einen Segen sprechen können.
Wie beziehen Sie Kinder ein?
Gerhards: Die Kinder dürfen sich beteiligen, wenn sie möchten. Oder sie spielen einfach in der Umgebung und genießen die Zeit. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass Familien gemeinsam in der Natur unterwegs sind. Entschleunigung ist uns in diesem Zusammenhang wichtig. Familien stehen unter enormem Stress, und die Natur ist eine fantastische Möglichkeit, diesen abzubauen und gemeinsam eine gute Zeit zu erleben.
Wie waren die Rückmeldungen zu Ihrem Angebot?
Gerhards: Kurz nach der Veröffentlichung waren wir mit 15 Erwachsenen und einer ganze Menge Kinder bereits ausgebucht. Es gibt bereits eine lange Warteliste, aber ich war mir mit Esther Fothen einig, dass man keine schöpfungssensible Kräuterwanderung machen kann, wenn man mit 50 Personen in der Natur unterwegs ist und sammelt.