Im Interview: Jutta Breuer aus Erkelenz:Was den Job einer Verwaltungsleiterin im Bistum Aachen ausmacht

Jutta Breuer ist eine von 44 Verwaltungsleiterinnen und -leitern, die vom Bistum Aachen für die Organisation und Verwaltung der Pastoralen Räume eingestellt wurden. Wir haben nachgefragt, wie sie in den neuen Job gestartet ist und was ihre Arbeit ausmacht.
Wie haben Sie sich in Ihrer Arbeit und in Ihrer Rolle als Verwaltungsleiterin im pastoralen Raum Erkelenz eingefunden?
Breuer: Danke der Nachfrage. Ich bin mittlerweile seit einem Jahr dabei und habe mich gut in die Rolle eingefunden. Das liegt natürlich auch daran, dass wir hier schon über viele Jahre entsprechende Strukturen geschaffen und ein gutes Team haben. Das trägt sehr viel dazu bei.
Und was sind die Schwerpunkte der Arbeit eines / einer Veraltungsleiter/in? Können Sie dazu einen groben Überblick geben?
Breuer: Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich, weil die Pastoralen Räume und deren bisherige Strukturen sehr unterschiedlich sind. Ich war bereits 14 Jahre als Koordinatorin der Verwaltung in Erkelenz tätig und bin von dort in die Leitung gewechselt. Seit der Fusion unserer Kirchengemeinde im Jahr 2015 haben wir bereits mehrere Fachbereiche eingerichtet: Personal, Finanzen sowie Bau- und Liegenschaften.
• Im Personalbereich geht es um alles, was man aus einem mittelständischen Unternehmen kennt: Personalgewinnung, Onboarding, Feedbackgespräche bis hin zu Arbeits- und Gesundheitsschutz.
• Im Bereich Finanzen steuern wir den Jahresabschluss, Budgets und Stellenpläne.
• Bei Bau- und Liegenschaften verwalten wir unter anderem Miet- und Pachtverhältnisse, rund 300 Einzelpachtverträge und etwa 30 Erbbauverträge.
Ein großer Schwerpunkt ist zudem die Vorbereitung und Teilnahme an Kirchenvorstandssitzungen sowie die Arbeit in den zugehörigen Ausschüssen. Ich fungiere als Schnittstelle zum Verwaltungszentrum und zum Bischöflichen Generalvikariat. Insgesamt ist meine Tätigkeit eher steuernd, umfasst aber auch operative Arbeit in unterschiedlichen Tiefen.
Wo sehen Sie den Unterschied zwischen der Rolle der Koordinatorin und der Verwaltungsleitung?
Breuer: Die Verantwortung ist deutlich höher. Ich musste mich selbst etwas einbremsen, nicht mehr so tief operativ zu arbeiten, sondern stärker auf die steuernde Ebene zu gehen, um den Überblick über das Ganze zu behalten. Das gelingt nur mit einem guten Team und vernünftiger Beziehungsarbeit.
Im Zuge der neuen Struktur wurde auch die Leitung im Pastoralen Raum neu aufgestellt. Welche Chancen sehen Sie darin?
Breuer: In der Leitung kommen die verschiedenen Kompetenzen – der Rat des Pastoralen Raumes, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seelsorge und die Verwaltung – zusammen. Das ermöglicht eine viel engere Verzahnung zwischen der Pastoral und der Verwaltung. Hilfreich ist dabei der Geschäftsverteilungsplan des Generalvikariats, um Aufgaben neu zu verteilen und zu prüfen, was tragfähig ist.
Wie ist die Leitung bei Ihnen gestartet?
Breuer: Wir bestehen derzeit aus vier Personen: dem leitenden Pfarrer Herrn Rombach, mir als Verwaltungsleiterin und zwei Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern aus der Pastoral. Wir haben uns über die Aufgaben der Leitung ausgetauscht, möchten Veränderungsprozesse anstoßen und arbeiten auf Augenhöhe miteinander. Sobald die Ehrenamtlichen durch den Rat des Pastoralen Raumes bestellt werden, werden wir zu sechst sein. Es gibt erfreulicherweise bereits Interessierte.
Sehen Sie trotzdem noch Punkte, an denen es Veränderungsbedarf oder Herausforderungen gibt?
Breuer: Ein wesentlicher Punkt ist die Thematik „Orte von Kirche“. Darin liegt eine große Chance, Menschen in der Fläche nicht zu verlieren. Wir müssen viel Beziehungsarbeit leisten und erklären, dass der Veränderungsprozess eine Chance ist und nicht bedeutet, dass alles nur anonymer und größer wird. Mir ist wichtig, auch in großen Strukturen die weit verteilten Orte nicht aus dem Blick zu verlieren und dort weiterhin „Kümmerer“ zu haben.
Haben Sie diese Orte von Kirche schon benannt?
Breuer: Es gibt Gruppierungen, die Interesse angemeldet haben, aber wir wollten nichts festlegen, bevor die Leitung vollständig ist. Wir müssen prüfen: Wer kann Ort von Kirche sein? Welche Rechtsfolgen ergeben sich? Gibt es finanzielle Zuwendungen? Ich bin kein Freund von Schnellschüssen, sondern möchte dazu einen schlüssigen Prozess entwickeln. Auch mögliche Bündelungen, etwa bei Chören, sollten sorgfältig ausgelotet werden.
Zum Abschluss: Was ist Ihre persönliche Motivation, sich nach 15 Jahren immer noch so zu engagieren – trotz aller Krisen in der Kirche?
Breuer: Ich sehe die Chance, dass ich gemeinsam mit anderen etwas bewegen und viele gute Dinge entwickeln und umsetzten kann. Da bin ich mit Herzblut dabei. Nur weil etwas eine belastete Vergangenheit hat, ist das für mich kein Grund, nicht nach vorne zu blicken. Wir müssen alles dafür tun, dass Dinge wie Missbrauch nicht mehr vorkommen, aber dafür braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen. In meiner Position als Verwaltungsleiterin habe ich jetzt ein anderes Standing und kann gemeinsam mit Pfarrer Rombach Veränderungen bewirken. Mein Glas ist immer halb voll.