Christus- und Marienskulptur von Bojayá jetzt nationales Kulturerbe:Symbole für die Opfer von Bojayá

Nach eingehender Prüfung und mehrfacher restauratorischer Sicherung sind die Christus-Skulptur aus der Kirche von Bojayá-Bellavista (Departement Chocó) und eine Marienstatue vom Nationalrat für das Kulturerbe Kolumbiens zu schützenswerten Objekten des nationalen Kulturerbes erklärt worden. Die Entscheidung fiel Ende Juni bei einer letzten Untersuchung der beiden Objekte religiöser Kunst in Bogotá.
Bei Kampfhandlungen zwischen zwei bewaffneten Gruppen der Region, die als Massaker von Bojayá bezeichnet werden und als eine der größten Tragödien im seit Jahrzehnten andauernden bewaffneten Konflikt des Landes gilt, starben am 2. Mai 2002 im Dorf Bellavista der Gemeinde Bojayá 79 Menschen, als die Kirche des Ortes bombardiert wurde, in die sich ein Großteil der Bevölkerung vor den Gefechten geflüchtet hatte. Weitere starben kurz darauf an ihren Verletzungen und ließen die Zahl der Todesopfer auf 102 steigen. Bei den Überlebenden hat das Ereignis bis heute traumatische Spuren hinterlassen, die v. a. die Priester und Ordensleute vor Ort in den vergangenen 24 Jahren mit den Menschen bearbeitet haben, um mit dem Unfassbaren leben zu können.
Eine wichtige Rolle spielten dabei die Christus-Skulptur aus der Kirche, die bem Bombardement Arme und Beine verlor, und eine Herz-Mariä-Statue, der nach dem Angriff beide Hände fehlten. Der junge Ortspriester Antún Ramos Cuesta hatte nach der Bergung der Verletzten und Toten die beschädigten Kunstwerke an sich genommen. Beide waren in der neu erbauten Kirche von Bellavista als Symbol für die Sinnlosigkeit von Gewalt und das Mitleiden Jesu zur Aufstellung gekommen. In unterschiedlichen Restaurierungs-Schritten waren der schwer beschädigte Christus, der den Beinamen Cristo negro de Bojáyá (Schwarzer Christus von Bojayá) erhielt, und die Marienfigur gesichert worden, ohne die Spuren der Zerstörung zu beseitigen.
Vom Schwarzen Christus hat der Künstler Fernando Cuéllar inzwischen einige wenige Repliken angefertigt, in die er jeweils einen Partikel der abgeplatzten Außenhaut der Originals eingearbeitet hat, die bei der Sicherung abgefallen waren. So ist es jetzt an mehreren Orten möglich, sich im Gedenken und Gebet dem mitleidenden Christus anzuvertrauen.
Ein besonderer Moment war hier der Gedenkgottesdienst in Villavicencio für die Opfer des kolumbianischen Konflikts beim Kolumbienbesuch von Papst Franziskus im Jahr 2017, bei dem der Papst ein Gebet zum Christus von Bojayá sprach.
Auch das Bistum Aachen erhielt im Rahmen der Partnerschaft mit der Kirche Kolumbiens eine der Christusrepliken beim Besuch von Bischof Helmut Dieser im September 2024. Sie wurde im September 2025 zur Eröffnungsmesse der Partnerschaftswoche im Aachener Dom ausgestellt, an der auch der Bischof von Quibdó als Ortsbischof von Bojayá mit einer kleinen Delegation aus seinem Bistum teilnahm.
Seitdem ist die Skulptur im Foyer des Hauptgebäudes vom Bischöflichen Generalvikariat am Aachener Klosterplatz aufgestellt. Von dort kann sie für besondere Partnerschafts-Anlässe an anderen Orten im Bistum Aachen ausgeliehen werden (weitere Infos siehe in diesem Flyer).