Hochamt und Gemeindeversammlung in St. Gertrud-Herzogenrath :„Der Glaube ist kein ‚Nice-to-have‘“

Im Pontifikalamt mit Bischof Dr. Helmut Dieser zeigte sich die Gemeinde St. Gertrud-Herzogenrath als ein Ort gelebten Glaubens. Rund 350 Gläubige füllten die Kirche und besuchten im Anschluss auch die Gemeindeversammlung in St. Marien. Beides fand im Rahmen der Visitation von Bischof Dr. Helmut Dieser statt. „An den Wochenenden haben wir gewöhnlich eine Auslastung von 94 Prozent in unseren Gottesdiensten“, freute sich Kirchenvorstand Axel Müllers. Unter den Mitwirkenden waren auch 27 Messdienerinnen und Messdiener, die gemeinsam mit Bischof Dieser und Pfarrer Guido Rodheudt feierlich durch das Kirchenschiff einzogen.
In seiner Predigt griff der Bischof das biblische Bild des „Obergemachs“ auf. Jener Ort wird in der Apostelgeschichte erwähnt und „spielt in den Tagen nach Christi Himmelfahrt eine ganz besondere Rolle“. Dort verharren die Jünger einmütig im Gebet. „Sie alle dürften sich in diesen Worten wiederfinden“, sagte Bischof Dieser. Das „Obergemach“ sei wie „ein geistliches Zentrum, als das sie sich ja hier in St. Gertrud verstehen. Sie alle vergewissern sich hier beständig über das, was ihnen heilig ist“.
Nach der Messe versammelte sich die Besucherinnen und Besucher im Pfarrsaal St. Marien zu einer offenen Gemeindeversammlung. Hier blieb ausreichend Zeit für Gespräche und Austausch. Zudem hatten Gemeindemitglieder aus zehn Ländern landestypische Speisen vorbereitet. Engagierte Gläubige aller Generationen berichteten dem Bischof von ihrem persönlichen, zum Teil äußerst weiten Weg nach St. Gertrud – die Teilnehmer mit der weitesten Anreise kommen jede Woche aus . . . Begeistert berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Bischof, warum sie sich gerade hier beheimatet fühlen. Eine von ihnen ist Maria Treutler. Seit dreißig Jahren engagiert sich die 75 Jährige bereits im Ehrenamt und singt mit großer Freude im Kirchenchor – „Auch das ist ein Glaubenszeugnis“. Zudem begleitet die Diplom-Sozialpädagogin seit Weihnachten 2024 Trauernde im monatlichen Trauercafé.
Warum Menschen aus einem größeren Einzugsgebiet nach Herzogenrath kommen, wurde in verschiedenen Wortmeldungen deutlich. Junge Eltern schätzen zum Beispiel die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen. Andere betonten das sakramentale Angebot: Das tägliche Beichtangebot vor der Messe wurde ebenso genannt wie das Rosenkranzgebet oder die internationale Vielfalt, die das Gemeindeleben präge.
Bischof Dr. Helmut Dieser deutete diese Erfahrungen als Zeichen eines tiefgreifenden Wandels. Die Kirche bewege sich, so seine Einschätzung, „von der Volkskirche hin zur Zustimmungskirche“. Früher hätten die Menschen durch Geburt und Milieu dazugehört, heute beruhe Zugehörigkeit auf einer inneren Entscheidung. „Die Kirche muss missionarisch sein, indem sie Inhalte über Katechese und Liturgie so erschließt, dass Menschen ihr Herz berührt fühlen und zustimmen können.“ Der Glaube, betonte er, sei „kein ‚Nice-to-have‘, sondern bringt das entscheidende Plus ins Leben“. In diesem Sinne sei St. Gertrud ein Beispiel für eine mögliche Form der Kirche der Zukunft: Menschen folgten hier nicht einer Mode, sondern einer „inneren Berührung durch das Geheimnis Gottes“.