Warum Alexandra Maria Linder sich für die Kapelle Klein-Jerusalem engagiert:„Ein Ort, der Menschen berührt“

Die Kapelle Klein-Jerusalem in Neersen berührt viele Menschen. Alexandra Maria Linder, eine 59-jährige Übersetzerin, Autorin und Journalistin, hält diesen Ort mit viel Engagement lebendig. Seit gut einem Jahr leitet sie die Interessengemeinschaft Klein-Jerusalem und verbindet dabei ihr langjähriges gesellschaftliches Engagement mit ihrer tiefen persönlichen Spiritualität.
Seit mehr als 35 Jahren engagiert sich die Mutter dreier erwachsener Kinder ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen. Nach dem Tod ihres Vorgängers Bernhard Wöltgen übernahm sie auf Bitte des Vorstands ohne Zögern den Vorsitz der Interessengemeinschaft. Obwohl sie erst seit sechs Jahren am Niederrhein lebt, faszinierten sie Atmosphäre, Symbolik und Geschichte der Kapelle sofort spirituell.
Ein Verein mit Geschichte und starkem Kern
Die Interessengemeinschaft wurde 1981 gegründet, um das historische Ensemble zu erhalten. Heute zählt der Verein 104 Mitglieder, wobei der aktive Kern aus sieben bis acht Personen besteht. Diese bieten Führungen an, übernehmen die Pressearbeit, pflegen die Website und kümmern sich um Instandhaltungen. Alexandra Maria Linder beschreibt das Zusammenspiel der beteiligten Gruppen als vorbildlich. Die Pfarrei Neersen, Eigentümerin der Kapelle, verantwortet Reparaturen und die Terminplanung für Hochzeiten. Der Schützenverein Klein-Jerusalem pflegt die Außenanlagen und organisiert das Lichterfest im November. Die Nachbarschaft sorgt für Ordnung und Sauberkeit rund um das Gelände, für Weihnachtsbäume und Krippe.
Ein außergewöhnliches Bauwerk mit tiefer Symbolik
Die Kapelle selbst ist ein Kleinod barocker Frömmigkeit. Zwischen 1655 und 1660 ließ der Priester Gerhard Vynhoven Nachbildungen der Geburtsgrotte von Bethlehem und des Heiligen Grabes errichten – im Zustand von 1625. Nichts sei dem Zufall überlassen, betont Linder: „Vom künstlich aufgeschütteten Hügel bis zur Anzahl der Stufen – alles trägt eine geistliche Bedeutung.“ Besucherinnen und Besucher seien regelmäßig „absolut hingerissen“ von der Atmosphäre und der kunstvollen Ausgestaltung. Rund 1.500 Menschen kamen im vergangenen Jahr: Pilger, Schulklassen, Interessierte aus der Region.
Unter anderem arbeitet die Interessengemeinschaft mit der Vynhoven Grundschule und dem Malteser Gymnasium St. Bernhard zusammen. Die jährliche Wallfahrt der Fünftklässler gehört fest zum Schulprogramm. Viele Kinder sind beeindruckt von der historischen Jesusfigur in der Grabkapelle, einem seltenen Zeugnis barocker Frömmigkeit.
Ehrenamt zwischen Barockkleid und Bauunterhalt
Die Aufgaben für den Vorstand sind vielfältig. Er organisiert Führungen, Vorträge, Konzerte und Gruppenandachten, koordiniert Sanierungen und repräsentiert die Kapelle bei regionalen Festen. Linders Zeitaufwand liegt derzeit bei etwa zehn Stunden im Monat, Tendenz steigend. „Das wird sich vermutlich verdoppeln“, sagt sie, da die Präsenz auf Veranstaltungen wächst und die Nachfrage nach Führungen zunimmt.
Engagement aus Überzeugung und Glauben
Warum investiert sie so viel Zeit? Linder nennt vor allem einen Grund. Eine Demokratie sei darauf angewiesen, dass Bürger Verantwortung übernehmen: „Man kann Aufgaben nicht allein dem Staat oder der Kirche überlassen.“ Ihr großes Vorbild ist der Kapellenerbauer Gerhard Vynhoven. Er verzichtete nach dem Dreißigjährigen Krieg auf eine Karriere, um in seiner Heimat geistliche Orte, eine Schule und ein Hospiz aufzubauen. „Wir bewahren diesen Ort nun in seiner Nachfolge“, sagt Linder. „Für die Gläubigen der Region und für das geschichtliche Bewusstsein.“
Die Kapelle Klein-Jerusalem ist für sie ein Ort, der Menschen verwandelt. Ihr Engagement trägt dazu bei, dass dieser besondere Ort auch in Zukunft lebendig bleibt.