Über besondere Momente und Herausforderungen der Matthias-Wallfahrt:Ein Pils für Pilger

In Rahmen seiner Visitation traf sich Weihbischof Karl Borsch mit verschiedenen St.-Matthias-Bruderschaften (SMB) aus dem Bezirk Schwalm Niers – darunter Gruppen aus Helenabrunn, Dülken, Süchteln und Boisheim –, um sich über die aktuelle Situation des Pilgerwesens auszutauschen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten die alternde Mitgliederstruktur sowie die Herausforderungen nach der Corona-Pandemie und der Flutkatastrophe im Jahr 2021. Im Zuge dieser Ereignisse seien immer mehr Unterkünfte und Lokalitäten entlang der Strecke verloren gegangen und nicht alle Wege nach der Flut wiederhergestellt. Doch jenseits von Nachwuchssorgen und organisatorischen Hürden standen vor allem auch die tiefe Begeisterung und die positiven Erlebnisse, die das Pilgern seit Jahrzehnten für viele Menschen zu einer lebensverändernden Erfahrung machen, im Mittelpunkt.
Ein „Virus“, der nicht mehr loslässt
Unter den Pilgerinnen und Pilgern herrscht Einigkeit darüber, dass der Weg nach Trier eine ganz eigene Dynamik besitzt. „Wenn man da einmal infiziert ist, wenn man diesen Virus hat, trägt man das weiter mit“, weiß auch Weihbischof Borsch zu berichten. Er ist selbst schon zu Fuß zum Grab des Heiligen Matthias in die Moselstadt gepilgert und kennt das Gefühl, das viele Pilgerinnen und Pilger auch dann noch begleitet, wenn sie körperlich nicht mehr die ganze Strecke bewältigen können. Wer einmal „Lunte gerochen“ hat, bleibt der Bruderschaft oft mehr als 40 Jahre und länger treu.
Barmherzigkeit am Wegesrand
Ein zentrales Thema des Austauschs waren die überwältigenden Erfahrungen von Gastfreundschaft, die den Pilgergruppen auf ihren Wegen begegnen. „Wir erleben unterwegs so viel Barmherzigkeit und Gastfreundschaft, das nimmt nicht wirklich ab“, betont Kirsten Samberg von der SMB Dülken. Besonders eine Anekdote blieb in Erinnerung: Ein Mann, mit dem Pilgerbruder Heinz Ritz am Vatertag ein Bier trank, stellte im Folgejahr einen Kasten mit der Aufschrift „Pils für Pilger“ an den Wegesrand. Daraus entwickelte sich eine langjährige Freundschaft, bei der die Familie des Mannes heute sogar für die Süchtelner Pilger kocht. Diese und viele weitere Begegnungen seien es, die den Glauben im Alltag sichtbar machen: „Ich mache das, weil ich das so schön finde, in der heutigen Zeit so ein Zeichen für meinen Glauben zu setzen“, unterstreicht Kirsten Samberg.
Tradition trifft Moderne
Die Bruderschaften gehen mit der Zeit. Während früher bis zu sechs Rosenkränze am Tag gebetet wurden und das Wort des Brudermeisters unumstößlich war, ist die Gestaltung heute „luftiger“ geworden. „Das hat sich – Gott sei Dank – geändert“, berichtet Marion Holschotten von der SMB Helenabrunn. Statt ausschließlich traditioneller Gebete setzen viele Gruppen nun auf Meditationstexte und Impulse für den Weg, die von verschiedenen Mitgliedern vorbereitet werden. „Jeder sieht ein Thema ganz anders... das finde ich ganz gut, wenn die Leute ein bisschen eingebunden werden“, sagt Kirsten Samberg. Auch die Einbindung der Jugend wird aktiv gefördert. Die Jugendwallfahrten bieten eine Mischung aus Wandern und kurzen Busetappen, was den Einstieg erleichtert: „Das ist ein Heranführen ohne, dass es abschreckend ist, aber gleichzeitig das Gefühl zu bekommen, was es bedeutet, zu pilgern“, berichtet Kaplan Andreas Hahne, der eine Gruppe Jugendlicher begleitet.
Gemeinschaft über das Pilgern hinaus
Das Leben der Bruderschaften findet nicht nur auf dem Weg nach Trier statt. Wanderungen und kleine Wallfahrten, gemeinsame Messfeiern, ein Treffen am Matthiastag oder Kaffeetrinken für ältere Mitglieder bleibt der Zusammenhalt das Jahr über bestehen. Selbst wenn die Beine nicht mehr mitmachen, „gehen die Leute den Weg im Kopf mit“ und sind bei der Verabschiedung und dem Empfang der Pilgerinnen und Pilger dabei.
Am Ende des Treffens blieb die Gewissheit: Die Wege mögen sich durch Flutkatastrophen oder geschlossene Herbergen ändern, aber die spirituelle Kraft und die menschliche Wärme der Matthias-Wallfahrt wird es weiterhin geben.