Bischof Helmut Dieser zu Tisch mit Engagierten aus Herzogenrath-Straß:Gemeinschaft stiften

Gemeinsames Essen bedeutet mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Das erlebte Bischof Dr. Helmut Dieser hautnah in Herzogenrath-Straß. Dort luden ihn die Vereine Tellerrand e.V. und Vergissmeinnicht e.V. zu einem herzhaften Mittagessen mit Sauerkraut und Kartoffelpüree ein. Beide Organisationen setzen sich dafür ein, Menschen in schwierigen Lebenslagen vor Ort zu unterstützen.
Seit 25 Jahren bietet Tellerrand e.V. im Pfarrheim St. Josef einen Mittagstisch für etwa 20 Personen an. Werktags zwischen 12 und 13.30 Uhr gibt es frisch gekochte Mahlzeiten für sechs Euro. Doch nicht nur das Essen lockt die Besucher. „Für viele ist das hier ein Stück Zuhause“, erklärt Wilfried Debetz, Vorstandsmitglied. Besonders Alleinstehende kommen, um nicht nur zu essen, sondern auch vom Tag zu erzählen.
„Quartiers-Mittagstische“ in Planung
Gegen einen kleinen Aufpreis liefert Tellerrand e.V. täglich rund 15 Mahlzeiten direkt nach Hause. „Für viele unserer Kunden ist der Besuch unseres Fahrers das Highlight des Tages“, berichtet Guido Zanders, der 1. Vorsitzende. Neu im Angebot ist ein Catering-Service, etwa für Beerdigungscafés, unterstützt von acht Ehrenamtlichen. „Das wird gut angenommen, denn in Herzogenrath fehlt ein Ort, an dem Trauernde nach der Beerdigung zusammenkommen können.“
Zudem plant der Verein sogenannte „Quartiers-Mittagstische“ in weiteren Stadtteilen von Herzogenrath. Gespräche mit dem Café Magnolia im Klösterchen und dem Gebrauchtwarenkaufhaus Patchwork laufen bereits. Um die drei Vollzeitkräfte des Vereins zu finanzieren, müssen täglich etwa 80 Mahlzeiten verkauft werden. Doch das ist eine Herausforderung: Die ortsansässige Kindertagesstätte und die Offene Ganztagsschule haben den Verein als Kunden verloren, da größere Anbieter günstigere Preise bieten. „Wir kämpfen darum, unser Angebot aufrechtzuerhalten, aber es ist nicht leicht“, sagt Wilfried Debetz, der auch dem Kirchenvorstand angehört.
Vor allem die Geselligkeit steht im Mittelpunkt
Das Unterstützungsnetzwerk Vergissmeinnicht e.V. setzt sich eine gut funktionierende Nachbarschaft in Straß ein. „Wir sind überzeugt, dass in unserer Nachbarschaft viel Potenzial steckt und wir uns gegenseitig helfen können“, betonen Agathe Odinius, Wolfgang Rüland und Andjelka Lammertz vom Vorstand. Ehrenamtliche bieten Sozialberatung in einer offenen Sprechstunde an und unterstützen bei Anliegen wie Wohnraumberatung, Pflegeanträgen oder Parkausweisen.
In den Räumen der Josefskirche organisieren sie zudem Treffen für ältere und einsame Menschen. Neben Vorträgen von Polizei, Städteregion oder Verbraucherzentrale steht vor allem die Geselligkeit im Mittelpunkt. Ein Höhepunkt des Jahres ist der Adventnachmittag, an dem rund 70 Seniorinnen und Senioren mit Unterstützung zahlreicher Helfer und Ortsgruppen einen unvergesslichen Tag erleben.
Bischof Dr. Helmut Dieser zeigte sich beeindruckt von der Einsatzbereitschaft der Straßer. „Das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt hier sind außergewöhnlich und deutlich stärker als an vielen anderen Orten. Das ist wirklich beeindruckend und etwas Besonderes. Darauf können Sie stolz sein“, lobte der Bischof.