Ein Blick hinter die Kulissen der Jugendarbeit im „Space“ Walheim:Haltung zeigen, Zuflucht bieten

Bischof Dr. Helmut Dieser besuchte während seiner Pastoralvisitation den Offenen Kinder- und Jugendtreff „Space“ in Walheim. Diese Einrichtung bietet seit mehr als drei Jahrzehnten jungen Menschen einen verlässlichen Ort für Begegnung und Freizeit. Der Besuch fiel in eine Übergangszeit: Anfang 2025 entdeckte die Einrichtungsleitung schwere Gebäudeschäden, die den Betrieb am historischen Standort in der Albert-Einstein-Straße abrupt stoppten. Dank der Stadt Aachen konnte die Arbeit im ehemaligen Kindergarten neben der Feuerwehr weitergehen – ein Kraftakt, der die Bedeutung des Treffs unterstreicht.
Ein eigener Ort für Begegnung
Das „Space“ entstand Anfang der 1990er-Jahre aus dem Wunsch der Firmlinge nach einem eigenen Ort für Begegnung und Freizeit. Die Stadt stellte der Kirchengemeinde ein sanierungsbedürftiges Gebäude aus dem Jahr 1785 zur Verfügung, das durch ehrenamtliches Engagement zu einem offenen Treffpunkt wurde. 2005 gründeten Edgar Ortmanns, Ladislaus Hoffner und Bernd Krott den Trägerverein „Offener Kinder- und Jugendtreff Walheim e.V.“, der bis heute das Herz des Projekts bildet. Drei Jahre später erhielt das „Space“ den Status einer Kleinen Offenen Tür (KOT) und erstmals eine hauptamtliche Leitung. Während der Flüchtlingskrise 2015 bis 2017 wurde das „Space“ zu einem wichtigen Integrationsmotor im Aachener Süden. Mit dem Projekt „Freiheit“ setzte die Einrichtung ein starkes Zeichen für Teilhabe und gewann 2017 den Theresa-Bock-Preis der Caritas-Stiftung. Der Fassadeneinsturz im April 2025 war ein erneuter Einschnitt, doch die Solidarität aus Stadtgesellschaft, Politik und Vereinen zeigte, wie fest das „Space“ in Walheim verankert ist.
Die Zukunft des Jugendtreffs ist gesichert
Das Bistum Aachen beteiligt sich umfassend an der Sanierung und übernimmt einen Teil der Kosten aus einem Sonderprogramm. Gemeinsam mit der Stadt Aachen, der Pfarrei St. Kornelius und dem Verein ist damit die Zukunft des Jugendtreffs gesichert. Vor Ort informierten sich Bischof Dr. Helmut Dieser, Propst Dr. Andreas Möhlig und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums über den Fortschritt der Arbeiten und führten intensive Gespräche mit Vorstand und Einrichtungsleitung. Ladislaus Hoffner betonte: „Für mich ist wichtig, dass das Space auch in Zukunft ein verlässlicher Treffpunkt für Kinder und Jugendliche bleibt “ Der Verein erfuhr in den vergangenen Monaten beeindruckende Unterstützung. Bischof Dieser würdigte das Engagement und betonte, „dass wir uns aus diesem Bereich nicht zurückziehen dürfen.“
Die Lebenswelten von TikTok und Co
Neben baulichen Fragen standen die gesellschaftlichen Herausforderungen der offenen Jugendarbeit im Mittelpunkt. Einrichtungsleiter Dominique Lopes berichtete von der wachsenden Faszination Jugendlicher für rechtspopulistische Inhalte, die über TikTok und Instagram in ihre Lebenswelt dringen. Begriffe wie „Remigration“ werden oft ungeprüft übernommen. Das Team reagiert mit klarer Haltung: In Gesprächen wird verdeutlicht, dass Ausgrenzung unvereinbar mit Menschenrechten ist. Gleichzeitig widerspricht die Einrichtung Versuchen, Jugendtreffs über ein vermeintliches Neutralitätsgebot einzuschüchtern. „Für kirchliche Tendenzbetriebe gilt das nicht“, stellte Karina Siegers aus dem Bischöflichen Generalvikariat klar. Prävention, Fortbildungen und die enge Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit sollen Radikalisierungsprozessen früh entgegenwirken.
Das Angebot des „Space“ bleibt vielfältig: Vom Freitags-Sport in der Walheimer Turnhalle („Nachtaktiv“) bis zum offenen Treff ab zwölf Jahren nutzen Jugendliche aus unterschiedlichen Sozialräumen die Einrichtung. Für den pastoralen Raum ist das „Space“ ein echtes Highlight – und wird voraussichtlich Anfang 2027 an seinen sanierten Standort zurückkehren.