„Rückenwind! “ - eine alternative Gottesdienstform in Düren :Licht der Erinnerung: Wo Trauer, Musik und Dankbarkeit Raum finden

Im November vereint ein berührendes Gedenkformat Menschen, um gemeinsam der Verstorbenen des vergangenen Jahres zu gedenken. Persönliche Texte, Chorgesang und Kerzenlicht tragen diesen Gottesdienst, der bewusst auf emotionale Tiefe und das Zusammenspiel von Wort und Musik setzt. Er gibt der Sprachlosigkeit der Trauer eine Stimme, bringt ins Wort, was Hinterbliebene fühlen und oft schwer ausdrücken können. In Gemeinschaft wurde dankbar erinnert; alle Verstorbenen des Dorfes wurden durch das Lesen ihrer Namen und das Anzünden von Kerzen gewürdigt. Die alternative Gottesdienstform „Rückenwind!“ lud dazu einen Tag nach Allerheiligen in die Echtzer Kirche in Düren ein.
Aus persönlicher Initiative gewachsen
Die stimmungsvolle Beleuchtung, die musikalische Begleitung durch den Chor „More than Gospel“ unter der Leitung von Organist Frank Grohbusch und die emotionale Verbundenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer prägen dieses Format. Birgit Pohl, Mitglied im Chor und inhaltlich Verantwortliche, verfasste die Texte maßgeblich selbst. Vor rund zehn Jahren begann sie, das Totengedenken mitzugestalten, entwickelte es weiter und bewegt seit sechs Jahren mit „Rückenwind! “ viele Besucherinnen und Besucher. „Alle sind berührt und kommen immer wieder. Jeder hat jemanden verloren“, sagt Birgit Pohl, die auch eigene Verlusterfahrungen in der Familie zu verkraften hat hat. „Mit dieser Form sprechen wir ganz andere Menschen als die üblichen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher an“, ergänzt Frank Grohbusch.
Musik als unverzichtbares Fundament
Die Idee von „Rückenwind!“ entstand aus der Arbeit des Chores „More than Gospel“. Hier engagieren sich Menschen, die mit klassischer Liturgie wenig anfangen können, aber Popmusik mit christlichen oder nachdenklichen Inhalten schätzen. So entstand ein Gottesdienstformat, das auf persönliche Berührung und emotionale Tiefe setzt. „In den mehr als 20 Jahren seines Bestehens dieses mittlerweile 60 Stimmen starken Chores entwickelten sich beeindruckende Glaubenszeugnisse“, berichtet der Chorleiter. Dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim „Vater Unser“ die Hände reichen, unterstreicht dies.
Weihbischof zu Gast
„Es hat mir sehr gut gefallen“, sagt Weihbischof Karl Borsch, der bei „Rückenwind!" zu Gast war. „Sprachlich, musikalisch und auch die Raumgestaltung. Das spricht die Besucherinnen und Besucher an. Unsere herkömmlichen Gottesdienste sind kopflastiger.“ Mit der Einladung, bei Brot und Wein im Austausch zusammenzubleiben, endete ein Abend, der zeigte, wie tröstlich gemeinsames Erinnern in der dunkelsten Zeit des Jahres sein kann.