Bischof Dieser besucht Gruppen aus vier Pfarreien :Messdiener treffen erstmals zusammen

Kontakte in andere Pfarreien geknüpft: Zum ersten Mal haben sich die mehr als 40 Messdienerinnen und Messdiener der vier Pfarreien des Pastoralen Raums Herzogenrath – St. Willibrord Merkstein, Christus unser Friede Kohlscheid, St. Josef Straß und St. Gertrud Herzogenrath – getroffen. Anlass war die laufende Visitation von Bischof Dr. Helmut Dieser. „Die Visitation hilft uns wirklich sehr dabei, als Pastoraler Raum zusammenzuwachsen“, betonte Pastoralreferent Klaus Aldenhoven, der das Treffen mitorganisiert hat.
Was Messdiener eigentlich tun
In der Pfarrkirche St. Willibrord in Merkstein begann Bischof Dr. Helmut Dieser seine Visitation mit einer Frage, die überraschte: Was tun Messdiener eigentlich – im Vergleich zu Fußballern, die trainieren, um zu gewinnen, oder Chören, die für Konzerte proben? „Ich bin hier unter lauter Insidern – stellt euch vor, ich wäre kein Priester und ihr müsstet mir das erklären.“ Die Jugendlichen antworteten präzise: Sie helfen dem Priester während der Messe, bringen Brot und Wein zum Altar, begleiten die Lesung mit dem Evangelienleuchter und decken nach der Kommunion den Altar ab.
Der Bischof griff den Sportvergleich erneut auf und beschrieb den Kirchenraum als „Spielfeld voller Signale“, die den Glauben erfahrbar machen: das Ewige Licht als Zeichen der Gegenwart Gottes im Tabernakel, das Weihwasser als Erinnerung an die eigene Taufe. „Die Kirche soll ein Ort sein, an dem man beten, staunen und Gott nah sein kann“, sagte er.
Offener Austausch über Berufung, Zölibat und Kirchenentwicklung
In einer anschließenden Diskussionsrunde im Pfarrheim sprach Bischof Dieser offen über seinen eigenen Berufungsweg, über die Herausforderungen des Zölibats und über Zukunftsfragen der Kirche. Er schilderte, wie aus seinem „Kinderglauben“ ein „Erwachsenenglauben“ wurde und wie ein Diakon ihn früh ermutigte, Priester zu werden. Beim Thema Zölibat sprach er von zwei „Urkräften“: der Anziehung zu einem Menschen und der Faszination für Gott. Der Verzicht ermögliche ihm, sein „Herzblut“ ganz in die Gemeinde zu geben. Auch kontroverse Fragen kamen zur Sprache: der Priestermangel, die mögliche Weihe verheirateter Männer („viri probati“) und die Rolle von Frauen in der Kirche. Die Frage der Frauenordination bezeichnete er als „tiefgreifende Entscheidung über die Identität der Kirche“, mit der er selbst ringe.
Kennenlernen über Generationen hinweg
Um sich gegenseitig besser kennenzulernen, hatte Pastoralreferent Klaus Aldenhoven zuvor einige „Aktionsfragen“ vorbereitet, die die Gruppen miteinander ins Gespräch brachten. „Wer von euch ist bereit, auch mal außerhalb seiner ‚Heimatkirche‘ in der Kirche einer anderen Pfarrei die Messe zu dienen?“ oder „Was hat dich dazu gebracht, Messdiener/Messdienerin zu werden und diesen Dienst über Jahre und Jahrzehnte zu tun?“ Besonders eindrucksvoll: Tatsächlich waren mit Helmut Schwartz und Heinz-Peter Deserno zwei Messdiener gekommen, die seit fünfzig und mehr Jahren den Dienst am Altar verrichten. Die beiden Geistlichen, Guido Rodheudt und Heinz Intrau, bedankten sich bei allen Teilnehmern des Begegnungstags für ihr Engagement. Sie teilten die gleiche Meinung über die Messdienerinnen und Messdiener: „Ohne euch sieht alles grauer und unfestlicher aus. Wer soll das Weihrauchfass und das Schiffchen bedienen, wer soll Wasser und Wein, das Velum bringen, das Kreuz tragen, wenn nicht die Messdienerinnen und Messdiener.“
Auch die Erinnerung an die Chrisammesse im Aachener Dom, bei der erst vor wenigen Wochen rund 300 Messdienerinnen und Messdiener in einer großen Prozession mitwirkten, war unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr lebendig „Das hat uns gezeigt: Wir sind nicht ausgestorben“, sagte Messdiener Christ Gerken aus der Gemeinde St. Katharina in Kohlscheid.