Das Projekt „Y’ourHaven“ in Mönchengladbach :Wenn ein Raum zum sicheren Hafen wird

Ein unscheinbarer Kellerraum am Brunnenhof der Münster-Basilika St. Vitus verwandelt sich in einen Ort, der jungen Menschen in Mönchengladbach Sicherheit, Gemeinschaft und spirituelle Orientierung bietet. Das Projekt dahinter heißt „Y’ourHaven“ – ein bewusst englischer Name, der an einen sicheren Hafen erinnert und die Sprache vieler junger Erwachsener aufgreift. Am Sonntag, 21. Juni, wird der „spirituelle Raum“ im Rahmen des Vitusfestes um 13 Uhr offiziell eingeweiht.
Die Initiative entstand als Nachfolger der früheren Jugendkirche in Sankt Albertus. „Ab 2010 gab es dort eine enge Verbindung zur offenen Kinder- und Jugendarbeit“, sagt Andreas Kreder, Referent für Jugendarbeit im Büro der Regionen. Inzwischen wird die Kirche Sankt Albertus als Caritaskirche genutzt. Also fragten wir uns: Wo können wir in Mönchengladbach weiterhin spirituelle Angebote für junge Menschen schaffen?“ Gemeinsam mit Regionaljugendseelsorger Antonio da Costa und Gemeindereferent Christoph Rütten suchte er nach einem neuen Ort. Die Idee kam aus der Pfarrei St. Vitus: ein kleiner, kaum genutzter Raum am Brunnenhof, direkt neben der Basilika, den viele nur als „Kellerloch“ kannten. „Jemand aus der Pfarrei brachte diesen Raum ins Spiel“, erinnert sich Kreder. „Wir als Fachbereich Jugend und die Pfarre St. Vitus wollten ihn gemeinsam als regionalen Treffpunkt für Jugendliche herrichten.“ Und Jugendseelsorger da Costa ergänzt: „Jetzt bekommt es zusätzlich eine spirituelle Dimension für junge Menschen.“
Keine klassische Jugendkirche
Von Anfang an war klar, dass „Y’ourHaven“ keine klassische Jugendkirche werden sollte. „Es gibt kein fertiges Konzept“, betont da Costa. „Unser Ziel ist eine partizipative Arbeit: Wir wollen das Konzept gemeinsam mit den Jugendlichen entwickeln.“ Das Team, zu dem auch drei Studentinnen gehören, hat das Logo und die Raumgestaltung erarbeitet und sorgt für verlässliche Öffnungszeiten. Seit Mai ist der Raum zweimal pro Woche geöffnet, mit einem offenen Angebot, Essen und Trinken und einem Impuls oder einer Meditation zum Abschluss. „Zuerst ging es um die Basisausstattung und die Frage: Worauf legen junge Menschen Wert?“, sagt Kreder. „Wir wollen Kontinuität bieten und dann mit den Besucherinnen und Besuchern gemeinsam entscheiden, was wir dort tun wollen.“
Die Zielgruppe umfasst Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 27 Jahren, wobei die offizielle Obergrenze bei 35 Jahren liegt. „Erfahrungsgemäß suchen sich Menschen ab 27 aber oft andere Räume“, sagt da Costa. Gleichzeitig soll es Kooperationen mit Messdienergruppen und Schulen geben. Die Lage am Abteiberg sei dafür ideal, ergänzt Kreder: „Es liegen viele weiterführende Schulen in der Nähe. Zudem ist es mitten in der Stadt.“ Für Jugendliche aus entfernteren Stadtteilen wie Rheydt oder Wickrath plant das Team zudem mobile Angebote.
Neue Formate sind in Planung
Inhaltlich soll „Y’ourHaven“ weit über klassische kirchliche Formate hinausgehen. Im Herbst sind Yoga und Atemübungen geplant, außerdem Glaubensgespräche, die an Alphakurse erinnern, aber bewusst ökumenisch und offen gestaltet werden. „Ein wichtiger Punkt ist nämlich der interreligiöse Dialog“, sagt da Costa. „Wir sind Teil einer Gruppe für Integrationsplanung und wollen Angebote schaffen, bei denen nicht nur eine Religion im Zentrum steht.“ Kreder ergänzt: „Wir wollen schauen: Was verbindet uns im Glauben, im Leben und in der Sehnsucht? Das soll die Zusammenarbeit mit muslimischen Gemeinden und anderen Gruppen stärken.“ Erste Kontakte zur Bischöflichen Marienschule bestehen bereits, damit Lehrkräfte den Raum künftig nutzen können.
Vom Ort zum „sicheren Hafen“
Auch der Name des Projekts ist Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses. Jugendliche wünschten sich einen „sicheren Ort“, und so entstand der englische Titel „Y’ourHaven“. „Der Name kam gut an, da Englisch bei Studentinnen und Studenten Alltagssprache ist“, sagt da Costa. Das Logo zeigt eine Hand als Zeichen des Willkommen seins und Wellen, die die Schwierigkeiten des Lebens symbolisieren. Kreder betont jedoch, dass der Name nicht endgültig sei: „Wir haben das Projekt erst einmal auf drei Jahre angelegt. Danach werden wir evaluieren: Ist der Name noch passend? Ist es der richtige Ort? Bieten wir die richtigen Inhalte?“ Finanziell wird „Y’ourHaven“ durch den Fachbereich Jugend im Büro der Regionen, die Pfarrei St. Vitus, die Schaffrath Stiftung und die Irmgard-Regnit-Stiftung unterstützt. Bis zur Einweihungsfeier im Rahmen des Vitusfestes wächst der Raum weiter – und mit ihm die Idee, dass Kirche ein Ort sein kann, der nicht belehrt, sondern begleitet. „Wir wollten einen Ort schaffen, der nicht vorgibt, wie Glaube auszusehen hat“, sagt Kreder. „Junge Menschen brauchen heute Freiheit, um ihre eigenen Fragen zu stellen – und jemanden, der ihnen zuhört.“
Hintergrund des Projekts
Dieses neue Projekt versteht sich als eine lebendige und konkrete Umsetzung der Pastoralstrategie des Bistums Aachen. Es greift die Suche junger Menschen in Mönchengladbach nach einem Raum für ihren Glauben und ihre persönliche Sinnsuche auf.
In der Konzeption und der täglichen Arbeit von „Y’ourHaven“ spiegeln sich die drei zentralen Grundsäulen des gemeinsamen synodalen Weges unmittelbar wider:
Freiheit: Bei uns ist jede und jeder herzlich willkommen. Wir bieten jungen Menschen einen geschützten, bewertungsfreien Raum („dein sicherer Ort“), der bewusst offen für ökumenische und interreligiöse Begegnung ist und in dem alle in ihrer individuellen Persönlichkeit, Herkunft und Würde bedingungslos angenommen werden.
Begegnung: Mitten im Stadtzentrum von Mönchengladbach schaffen wir einen lebendigen, einladenden Treffpunkt, an dem Leben und Glaube ganz unkompliziert und offen aufeinandertreffen können.
Ermöglichung: Der Raum ermutigt Jugendliche dazu, eigene Ideen einzubringen, ihre Talente zu entdecken und ihren spirituellen Weg aktiv und selbstbestimmt mitzugestalten.