Arzt der Armen

Die nächste Stufe im Seligsprechungsverfahren Heinrich Hahns ist erreicht

Dr. Heinrich Hahn (c) missio
Di, 25. Okt 2016
Garnet Manecke
Der Weltmissionssonntag ist die größte Solidaritätsaktion der katholischen Kirche.

In diesem Jahr stand der Tag im Aachener Dom ganz im Zeichen Heinrich Hahns, des Gründers des Hilfswerks Missio. Er wurde per päpstlichem Dekret als „verehrungswürdig“ erklärt. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Seligsprechung des Arztes.

Schon zu Lebzeiten galt Heinrich Hahn vielen Menschen in Aachen als Heiliger. Der Arzt behandelte nicht nur diejenigen, die sich seine Dienste leisten konnten. Er kümmerte sich vor allem auch um jene, die am Rande der Gesellschaft lebten. Die Arbeiter aus den Fabriken zum Beispiel, die mit ihren Familien oft nur in einem einzigen Zimmer wohnten und sich die Toiletten im Haus mit vielen anderen Mietparteien teilen mussten. Die beengten Verhältnisse waren ein idealer Nährboden für allerlei Krankheiten. Als die Cholera in Aachen wütete, behandelte Hahn seine Patienten unermüdlich und viele davon unentgeltlich. Dass er sich selbst anstecken könnte, schreckte ihn nicht, obwohl einige seiner Kollegen an der Krankheit starben und auch er während seines Lebens schwere Krankheiten wie ein Nervenfieber durchstehen musste.

Weihbischof Johannes Bündgens: "Er hat selbstbewusst eigene Akzente gesetzt."

Die unerschütterliche Kraft für seinen Einsatz zog er aus seinem Glauben und seiner Verbundenheit mit Gott. Bei der Gründung seines Missionsvereins Franziskus-Xaverius-Bruderschaft, dem Vorläufer des Missio-Hilfswerks, stieß Hahn zuerst auf Widerstand – auch bei der katholischen Kirche. Der Erzbischof von Köln, zu dessen Bistum Aachen damals zählte, verweigerte zuerst seine Zustimmung. Aber Hahn blieb hartnäckig.

„Mit seiner Intuition, in Deutschland ein Missionswerk nach französischem Vorbild zu schaffen, überschritt er alle Konventionen. Hahn war ein engagierter Laie in einer Kirche, die stark hierarchisch und klerikal war“, erklärt Weihbischof Johannes Bündgens, der im Auftrag des Bistums den Prozess der Seligsprechung Hahns begleitet und sich seit vielen Jahren mit dem Leben und Wirken des Mediziners beschäftigt hat. „Selbstbewusst hat er seine eigenen Akzente gesetzt, notfalls auch gegen den Erzbischof.“ Als der das immer größer werdende Missionswerk dann doch nach Köln holen wollte, habe Hahn eine Art passiven Widerstand geleistet, erzählt Bündgens. „Er war überzeugt, dass die Grenzstadt Aachen wegen der guten Verbindung nach Frankreich und Belgien der bessere Standort war.“

Prälat Klaus Krämer: "Er hat in seiner Zeit das Notwendige erkannt."

Dennoch war Hahn der Kirche gegenüber loyal. Sein tiefer Glaube war ihm wichtig, er war die Triebfeder seines Engagements. Und so würdigte Missio-Präsident Prälat Klaus Krämer in seiner Predigt am Weltmissionssonntag Hahn als einen Mann, der „aus seinem Glauben heraus das in seiner Zeit Notwendige erkannte und den Mut hatte, mit Energie und Tatkraft neue Wege zu gehen“.

Das päpstliche Dekret, mit dem Heinrich Hahn der so genannte „Heroische Tugendgrad“ zuerkannt wird und ihn damit als verehrungswürdig erklärt, stellte der emeritierte Bischof Heinrich Mussinghoff im Aachener Dom vor. Mussinghoff hatte die Bemühungen zur Seligsprechung Hahns von Anfang an tatkräftig unterstützt und freute sich offensichtlich über diesen wichtigen Schritt im Seligsprechungsverfahren. In der Beurteilung von Hahns Wirken wird in dem Dekret abschließend festgestellt, „dass der Diener Gottes Heinrich Hahn, Laie und Familienvater, die theologischen Tugenden Glauben, Hoffnung und Liebe, und zwar sowohl die Gottesliebe als auch die Nächstenliebe, sowie die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Maß und Stärke und alle anderen damit verbundenen Tugenden im Sinne der behandelten Angelegenheit im heroischen Grad ausgeübt hat.“