Vorbild für engagierte Laien

Obwohl Heinrich Hahn ein konservativer Bürger war, vertrat er oft sehr moderne Ansichten

Töchter von Dr. Heinrich Hahn (c) Missio Aachen
Di, 25. Okt 2016
Garnet Manecke
Für seine Zeit war Heinrich Hahn sehr modern.

Der Vater von neuen Töchtern, sein einziger Sohn starb wenige Wochen nach der Geburt, achtete darauf, dass seine Kinder eine gute Schulbildung bekamen. Dazu gehörte auch ein zweijähriger Internatsbesuch, für den er ihnen vor allem nahelegte, Fremdsprachen zu lernen. „In der Pension sollt ihr Gewandtheit im Umgange mit fremden Menschen gewinnen. Ihr sollt daher lernen, Euch richtig und gewandt in fremden Sprachen wie in der Muttersprache auszudrücken. … Vor allem aber müsst ihr die Schüchternheit, welche den Menschen nicht ziert, und jeden freundlichen Umgang unmöglich macht, mit einem herzhaften Entschluss ablegen“, empfiehlt er ihnen in einem Brief.

Diese Einstellung lebte Hahn seinen Kindern vor. Sein Wirken kann auch heute Vorbild und Motivation für engagierte Menschen in den Gemeinden sein. „Hahn war zeitlebens ein loyaler Katholik; aber seine Anliegen hat er selbstbewusst vertreten. Seelsorge und Verkündigung überließ er den Klerikern; das Engagement in der Öffentlichkeit, die Wahrnehmung der katholischen Interessen in Gemeinderat, Stadtrat und Landtag, die Gründung von Vereinen, all das sah er als seine Sache, die eines Ehemanns und Familienvaters, eines Freiberuflers und Ehrenamtlers an“, berichtet Weihbischof Johannes Bündgens.„Für Christen unserer Zeit ist sein Einsatz für das Evangelium eine große Ermutigung.“

Geboren wurde Heinrich Hahn am 29. August 1800. Er wuchs zusammen mit seiner älteren Schwester Katharina an der Pontstraße in Aachen in einem bürgerlichen Haus auf, das es noch heute gibt. Ganz nach dem väterlichen Vorbild fühlte sich Hahn schon als Kind dem katholischen Glauben nahe. Nach seinem Abitur entschloss er sich, in Gent Medizin zu studieren. Als Doktor der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe ließ er sich schließlich als praktischer Arzt in seiner Heimatstadt Aachen nieder, in der er 60 Jahre praktizierte. Sein Arbeitstag begann nach dem Frühgottesdienst mit Krankenbesuchen. Hahn behandelte die Verlierer der Industrialisierung, die sich keinen Arzt leisten konnten, genauso wie die damalige Prominenz. So gehörte auch die spätere Kaiserin Augusta zu seinem Patientenstamm.

Die Not der Armen, die Hahn während seiner Krankenbesuche jeden Tag sah, führte dazu, dass er sich politisch engagierte. Er wollte Einfluss nehmen, um die Folgen der Verelendung zu lindern. Damit stieß er vor allem im großbürgerlichen Lager auf Widerstand. Dass er 1846 in den Aachener Stadtrat gewählt wurde, lag an der dritten Steuerklasse. Die Stimmen der untersten wahlberechtigten Schicht sorgten dafür, dass er seinen Sitz bis kurz vor seinem Tod behielt.