Wer sitzt am Tisch? Wer hält ihn gedeckt?:Zu Tisch - Alle?
„Zu Tisch - alle?“ stellt einen repräsentativ und fast herrschaftlich gedeckten Tisch in den
öffentlichen Raum:
hochwertiges, ehemals wertvolles Geschirr, Stoffservietten, eine handgedruckte Tischdecke und Menükarten, deren Gestaltung an ein Fünf-Sterne-Restaurant erinnert.
Der Tisch steht für Wohlstand, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Zugleich stellt er eine erste, einfache Frage:
Wer bekommt einen Platz an diesem gesellschaftlichen Tisch - und wer nicht?
Wer gehört selbstverständlich dazu? Wer wird eingeladen, wer bleibt außen vor? Und wer entscheidet eigentlich darüber, wer einen Platz erhält?
Am Welttag für menschenwürdige Arbeit (7. Oktober) erhält „Zu Tisch - alle?“ eine zweite Perspektive.
Denn ein solcher Tisch deckt sich nicht von selbst. Unser Wohlstand und unser bequemes
Leben beruhen auf der Arbeit unzähliger Menschen. Menschen produzieren und ernten
Lebensmittel, verarbeiten und transportieren Waren, kochen, bedienen, reinigen, spülen,
pflegen und versorgen.
Vieles davon gehört zu den gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten unseres Alltags: Es soll
verfügbar sein, funktionieren und möglichst reibungslos geschehen. Die Menschen und die
Arbeit dahinter geraten dabei leicht aus dem Blick.
Damit stellt sich die zweite Frage:
Wer ermöglicht eigentlich diesen gedeckten Tisch, ohne selbst selbstverständlich einen Platz daran zu haben?
Beide Perspektiven treffen am Tisch unmittelbar aufeinander: gesellschaftliche Teilhabe auf der einen Seite und die häufig wenig sichtbare Arbeit, die unseren Wohlstand und unser bequemes Leben ermöglicht, auf der anderen.
Der gedeckte und doch leere Tisch.
Für den Aktionstag bleibt die hochwertige Inszenierung des Tisches bewusst erhalten. Geschirr, Gläser, Besteck, Stoffservietten und Menükarten stehen bereit. Alles vermittelt die Erwartung eines besonderen Essens.
Doch die Teller bleiben leer.
Es wird nichts serviert.
Gerade das Fehlen macht sichtbar, was wir sonst als selbstverständlich voraussetzen. Erst
wenn etwas nicht mehr funktioniert, nicht geliefert, nicht gereinigt, nicht gepflegt oder nicht
versorgt wird, wird aus einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit plötzlich eine spürbare
Lücke.
Die Menükarte greift diese Perspektive auf. Sie folgt sprachlich der Ästhetik eines hochwertigen Menüs. Doch an die Stelle der Speisen treten nach und nach jene Tätigkeiten, ohne die unser Wohlstand und unser bequemes Leben nicht funktionieren würden.
Am Ende steht die Frage:
Wer fehlt?
Sie bleibt bewusst doppeldeutig:
Wer fehlt an unserem gesellschaftlichen Tisch?
und
Wer fehlt, damit auf diesem Tisch überhaupt etwas stehen kann?
Text: Monika von Bernuth

Wer sitzt am Tisch? Wer hält ihn gedeckt?
„Zu Tisch - alle?“ stellt einen repräsentativ und fast herrschaftlich gedeckten Tisch in den
öffentlichen Raum:
hochwertiges, ehemals wertvolles Geschirr, Stoffservietten, eine handgedruckte Tischdecke und Menükarten, deren Gestaltung an ein Fünf-Sterne-Restaurant erinnert.
Der Tisch steht für Wohlstand, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Zugleich stellt er eine erste, einfache Frage:
Wer bekommt einen Platz an diesem gesellschaftlichen Tisch - und wer nicht?
Wer gehört selbstverständlich dazu? Wer wird eingeladen, wer bleibt außen vor? Und wer entscheidet eigentlich darüber, wer einen Platz erhält?
Am Welttag für menschenwürdige Arbeit (7. Oktober) erhält „Zu Tisch - alle?“ eine zweite Perspektive.
Denn ein solcher Tisch deckt sich nicht von selbst. Unser Wohlstand und unser bequemes
Leben beruhen auf der Arbeit unzähliger Menschen. Menschen produzieren und ernten
Lebensmittel, verarbeiten und transportieren Waren, kochen, bedienen, reinigen, spülen,
pflegen und versorgen.
Vieles davon gehört zu den gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten unseres Alltags: Es soll
verfügbar sein, funktionieren und möglichst reibungslos geschehen. Die Menschen und die
Arbeit dahinter geraten dabei leicht aus dem Blick.
Damit stellt sich die zweite Frage:
Wer ermöglicht eigentlich diesen gedeckten Tisch, ohne selbst selbstverständlich einen Platz daran zu haben?
Beide Perspektiven treffen am Tisch unmittelbar aufeinander: gesellschaftliche Teilhabe auf der einen Seite und die häufig wenig sichtbare Arbeit, die unseren Wohlstand und unser bequemes Leben ermöglicht, auf der anderen.
Der gedeckte und doch leere Tisch.
Für den Aktionstag bleibt die hochwertige Inszenierung des Tisches bewusst erhalten. Geschirr, Gläser, Besteck, Stoffservietten und Menükarten stehen bereit. Alles vermittelt die Erwartung eines besonderen Essens.
Doch die Teller bleiben leer.
Es wird nichts serviert.
Gerade das Fehlen macht sichtbar, was wir sonst als selbstverständlich voraussetzen. Erst
wenn etwas nicht mehr funktioniert, nicht geliefert, nicht gereinigt, nicht gepflegt oder nicht
versorgt wird, wird aus einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit plötzlich eine spürbare
Lücke.
Die Menükarte greift diese Perspektive auf. Sie folgt sprachlich der Ästhetik eines hochwertigen Menüs. Doch an die Stelle der Speisen treten nach und nach jene Tätigkeiten, ohne die unser Wohlstand und unser bequemes Leben nicht funktionieren würden.
Am Ende steht die Frage:
Wer fehlt?
Sie bleibt bewusst doppeldeutig:
Wer fehlt an unserem gesellschaftlichen Tisch?
und
Wer fehlt, damit auf diesem Tisch überhaupt etwas stehen kann?
Text: Monika von Bernuth






