GL 770 Komme, geheimnisvoller Atem
Text: Lothar Zenetti 1979
Musik: Walter Hirt 2011
Text
1. Komme, geheimnisvoller Atem, leiser zärtlicher Wind. Hauche uns an, damit wir leben, ohne dich sind wir tot!
[Komme, in Feuer und in Flammen, zünd uns an wie ein Licht, mach uns trunken von der Liebe, wir sind starr, tau uns auf!]
2. Komme, Erfinder neuer Sprachen, gieß dich aus über uns. Rede in uns mit neuen Zungen, komm, begeistere uns!
3. Komme, du Hoffnung aller Armen, schaff den Wehrlosen Recht. Dass die Gebeugten sich erheben, dass sich Völker befrein!
[Komme, du Tröster aller Müden, Stille mitten im Lärm, in den Terminen schaff uns Pausen, lass uns ausruhn in dir!]
4. Komme, du Taube, übers Wasser, bring den Ölzweig herbei. Bring uns das Zeichen für den Frieden, den die Erde ersehnt!
5. Komme vom Vater und vom Sohne, komm, du schaffende Kraft. Mache uns neu, und unsrer Erde hat ein neues Gesicht.
Der vor 100 Jahren (1926) geborene Priester, Theologe und Schriftsteller Lothar Zenetti war Nachkomme italienischer Auswanderer. Er wurde in Frankfurt am Main geboren, wo er auch den größten Teil seines Lebens wirkte. Neben seinem Dienst als Priester in Frankfurt übernahm er Aufgaben beim Hessischen Rundfunk und bei der ARD. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Texte. Viele davon wurden übersetzt und vertont.
Der Text „Komme, geheimnisvoller Atem“ stammt aus dem Jahr 1979. Zenettis Text wirkt wie ein inniger, von tiefem und gegenseitigem Vertrauen geprägter Dialog des Erzählers mit dem Heiligen Geist. Zenettis Sprache ist eine bildhafte und – wenn auch schon 47 Jahre alt – immer noch aktuelle Sprache. Leserin und Leser des Textes finden unmittelbare Anknüpfungspunkte zum eigenen Leben und zu Geschehnissen in der Welt.
Erwähnenswert ist, dass es offenbar zwei weitere Strophen von Zenetti gibt. Sie sind oben in eckigen Klammern abgedruckt, wurden allerdings nicht in Hirts Lied aufgenommen.
Melodie
Die Melodie zu Lothar Zenettis Text stammt von Walter Hirt, ehemaliger Diözesankirchenmusikdirektor des Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er komponierte 2011 die Melodie in F-Dur im Alla-breve-Takt. Formal sind drei Teile zu erkennen, wobei die letzten beiden Teile textlich gleich sind und melodiös zumindest eine entfernte Verwandtschaft erkennen lassen.
Dadurch, dass die harmonischen Wechsel immer haltaktig angelegt sind, kommt man beim Singen und Spielen des Liedes fast zwangsläufig leicht ins Schunkeln. Verbunden mit der ausgeglichenen Melodieführung und Rhythmik hat das Lied das Potential zum Ohrwurm. Hirt greift an vielen Stellen den natürlichen Sprachrhythmus auf, was auch beim Erlernen des Liedes hilft.
Andreas Hoffmann
