GL 146 Du rufst uns Herr an deinen Tisch
Text: Johannes Jourdan (1969)
Musik: Andreas Lehmann (1969)
1. Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch und schenkst uns selber ein. Du bist das Opfer für die Welt, bezeugt durch Brot und Wein. Herr, dein Wort ist die Kraft, die das Neue schafft, Herr, dein Wort ist die Kraft, die das Neue schafft.
2. Wir kommen, Herr zu deinem Mahl aus der Verlorenheit. Du hast die Tür uns aufgetan und tust es alle Zeit. Herr dein Wort ist die Kraft, die Versöhnung schafft, Herr dein Wort ist die Kraft, die Versöhnung schafft.
3. Wir hören Herr, auf dein Gebot; du schickst uns in die Welt. Dass alle deinen Frieden sehn: dazu sind wir bestellt. Herr, dein Wort ist die Kraft, die den Frieden schafft, Herr, dein Wort ist die Kraft, die den Frieden schafft.
4. Du rufst uns, Herr an deinen Tisch und rufst uns nicht allein. Du willst in jedem, der uns braucht, selbst gegenwärtig sein. Herr, dein Wort ist die Kraft, die die Liebe schafft, Herr, dein Wort ist die Kraft, die die Liebe schafft.
Entstehung des Liedes
Im Jahr 1969 verfasste der evangelische Pfarrer Johannes Jourdan den Text zum vorliegenden Lied, das in der vorliegenden Melodiefassung von Andreas Lehmann 1969 in der 72. Beiheftausgabe zum evangelischen Gesangbuch, Ausgabe Niedersachsen erschien. Es hatte bis zur Neuauflage des (neuen) Gotteslobes 2013 weder Eingang in das evangelische Gesangbuch, noch in das alte Gotteslob gefunden.
Text
Die 4 Strophen des Liedes geben in zeitgemäßer Sprache sowohl einen Einblick in das Wesen der Liturgie, als auch in den Sinn des gottesdienstlichen Zusammenkommens: Am Anfang steht in der 1.Strophe der „rufende Gott“, der jeden einzelnen Menschen begegnen will – die Aktion Gottes. Strophe 2 ist eine erste Reaktion des Menschen, in der er die Einladung wahrnimmt, sie annimmt, und zum gemeinsamen Mahl zusammenkommt. Somit wird die gottesdienstliche Gemeinschaft zum Erleben der Lebendigkeit Gottes in der persönlichen Wirklichkeit des Menschen. Strophe 3 fordert die Gottesdienstteilnehmer auf, die erfahrene Gottesnähe als Friedensboten nun in der Welt, umzusetzen. Dieser Sendungscharakter wird auch in der letzten Strophe deutlich, die uns zusagt, dass wir in diesem Wirken in der Welt nicht alleine unterwegs sind, sondern Gott uns in seiner Liebe begleitet und in jedem von uns lebendig sein will.
Melodie
Die dreifache Wiederholung des ersten Tones, als auch das Signalintervall der folgenden Quarte, und die Öffnung der Melodie bis hin zur Oktave geben dem Lied einen starken ouvertürenartigen Charakter, der durch die Wiederholung des ersten Teiles noch verstärkt wird. Das Element der belebenden Synkope am Ende des zweiten Taktes wird durch Verwendung des gleichen Rhythmus in Takt 4 auch für den weiteren Verlauf des Liedes (… die das Neue schafft) gefestigt und grundgelegt. Die Anrufung Gott als Herr wird durch die punktierte Halbenote verstärkt und gibt dem Lied somit auch musikalisch einen Gebetscharakter.
Liedeinführung
Dadurch, dass das Lied in wiederholende 4 taktige Phrasen unterteilt ist, bietet sich für die Liedeinführung das V/A Prinzip an und dürfte ohne Probleme schnell von Statten gehen: Phrase 1 und 3 V, Phrase 2 und 4 alle.Aufbau des Liedes: a/a//b/b1
Liturgische Verwendung
Das Lied bietet sich zur Eröffnung des Gottesdienstes, aber auch als Lied zur Gabenbereitung an, betont es doch im Text sowohl den Tisch des Mahles (Opfergedanke), als auch den Tisch des Wortes (...Dein Wort ist die Kraft). Sollte eine Liedprobe vor dem Gottesdienst stattfinden, kann man vielleicht sogar aus dieser nahtlos in den Gottesdienst überleiten und den lebendigen Schwung direkt mitnehmen.
Michael Hoppe
