GL 103 „Dieser Tag ist Christus eigen“
Text: Peter Gerloff [2003] 2004,
Melodie: Gilbert König um 1939
Text
1. Dieser Tag ist Christus eigen, und das erste Morgenlicht will von seinem Leben zeugen, das die Todesnacht durchbricht.
2. Wenn wir sein Gedächtnis feiern, Untergang und Auferstehn, wird sich unsre Zeit erneuern, wird er menschlich mit uns gehen.
3. Segne, Herr, den Tag der Tage, dass die Welt dein Kommen spürt. Löse Mühsal, Streit und Plage, dass für alle Sonntag wird.
Der Text stammt von Peter Gerloff und ist in AB-Reimform verfasst. Die erste Strophe verbindet das Bild des anbrechenden Morgenlichts mit der Auferstehung Christi. Der neue Tag wird dabei als Ausdruck des Sieges über die „Todesnacht“ verstanden.
Die zweite Strophe bildet den inhaltlichen Kern des Liedes: Der Sonntag wird als wöchentliches Gedächtnis der Auferstehung gedeutet. In bewusster Anlehnung an die Einsetzungsworte wird das „Gedächtnis“ als zentrale liturgische und theologische Perspektive hervorgehoben, in der das Ostergeheimnis gegenwärtig wird.
Die dritte Strophe richtet den Blick auf die Welt und bittet darum, dass sie das Kommen Gottes spürbar erfährt. Dadurch sollen Mühsal, Streit und Plage überwunden und gelöst werden, mit dem Ziel, dass sich das Leben für alle Menschen in einen Zustand des „Sonntags“ verwandelt.
Melodie
Die Melodie stammt von Gilbert König und entstand um 1939 für ein schlesisches Marienlied. Sie steht im 6/4-Takt, der jedoch halbtaktig gedacht werden kann und dadurch einen schwungvollen, lebendigen Beginn in den Sonntag hinein ermöglicht. Die Melodieführung verzichtet weitgehend auf komplizierte Tonsprünge und ist rhythmisch vergleichsweise schlicht gestaltet, was ihre klare Struktur unterstützt und sie besonders einprägsam macht. Die im Gotteslob vorgeschlagene Atempause am Ende der zweiten Zeile führt jedoch in der ersten Strophe zu einer Unterbrechung des textlichen Zusammenhangs. Im Rahmen einer Liedeinführung bietet sich an, entsprechend darauf hinzuweisen
Liedeinführung
Aufgrund der unkomplizierten Melodie, des inhaltlich gut zugänglichen Textes sowie des nicht zuletzt eingängigen Ohrwurmcharakters ist die Einstudierung des Liedes mit geringem Aufwand verbunden. Ein Vor- und Nachsingen der einzelnen Abschnitte führt dabei in kurzer Zeit zu einem guten und sicheren Ergebnis.
Liturgische Verwendung
Da die liturgische Verwendung des einzigen Liedes aus der Kategorie „Sonntag“ selbsterklärend ist, folgt an dieser Stelle ein Hinweis zum kritischen Umgang mit Dichtern und Komponisten. Auf der Homepage des Dichters ist eine Anmerkung zu finden, dass er kein ZdK-Katholik ist und legt die Wahl einer vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei nahe. Er selbst weist darauf hin, dass bei der Verwendung seiner Texte das Verdikt einer Kontaktschuld zugezogen werden kann. 1 Hier zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit Dichtern und Komponisten, deren Biografie oder Haltung problematische Aspekte aufweist, sich nicht auf vergangene Epochen beschränkt, sondern eine aktuelle Herausforderung bleibt.
Niklas Sauer-Piel
1 siehe Homepage des Texters: www.glauben-singen.de [18.04.26]
