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Franziskus 800:Franziskus 800: Vielfältige Facetten eines Heiligen – Gemeinsames Gedenken und interreligiöser Dialog in St. Nikolaus

Anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franziskus von Assisi luden die drei in Aachen verwurzelten franziskanischen Gemeinschaften zu einer besonderen Begegnung in die alte Franziskanerkirche St. Nikolaus ein. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des lebendigen Erbes des Franziskus von Assisi, des gemeinsamen Miteinanders und des überkonfessionellen wie interreligiösen Dialogs.
Datum:
24. Okt. 2026
Von:
Birgit Triesch

Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein bewegender Impuls von Schwester Johanna Koch von den Elisabethinnen. In ihrer Ansprache beschrieb sie den heiligen Franziskus als einen faszinierenden Menschen mit vielen ganz unterschiedlichen Facetten, die sein Wesen prägten und bis heute inspirieren:

- Der Spieler und Tänzer, der das Leben mit all seiner Freude und Leichtigkeit zu feiern wusste.

- Der Fragende und Suchende, der seinen Lebensweg nicht fertig vorgezeichnet fand, sondern ihn im ständigen Ringen mit Gott und der Welt entdeckte.

- Der Gottverliebte und Beter, dessen tiefes inneres Verhältnis zum Schöpfer das Fundament seines gesamten Wirkens bildete.

- Der Ordensgründer, der eine Gemeinschaft ins Leben rief, die bis in die Gegenwart hinein wirkt.

- Der Verwundete, der seine eigenen Brüche und Schmerzen kannte und sich gerade deshalb den Verwundungen seiner Mitmenschen zuwandte.

- Der Naturfreund, der in der Schöpfung den direkten Ausdruck der Güte Gottes erkannte.

- Der Friedenstifter und Brückenbauer, der sich kompromisslos für Versöhnung und den Frieden unter den Menschen einsetzte.

Diese vielfältigen Rollen und Dimensionen spannten einen weiten Bogen und machten die Gestalt des Franziskus über Jahrhunderte hinweg lebendig und nahbar.

Daran anknüpfend betonte Bruder Lukas Jünemann OFP, dass dieses Erbe bis heute anhält und für viele Menschen lebendig ist. Eingerahmt wurde dies durch musikalische Klänge, die den Abend nachhaltig prägten: Für die stimmungsvolle musikalische Begleitung sorgte die Band "Böse", die mit Liedern sowohl auf Deutsch als auch auf Öcher Platt sowie einer eindrucksvollen Darbietung des "Sonnengesangs" die Herzen der Zuhörer berührte. 

Bruder Lukas führte aus: „Heute Abend gilt es, etwas von dem Spirituellen, von dem Leben und dem Mann zu übermitteln. Genau vor 800 Jahren – vom 3. auf den 4. Oktober – ist Franziskus von dieser Form der Welt in eine andere übergegangen.“ 

An diesem Abend, so der Gedanke des Beitrags, gelte es innezuhalten, sich zu konzentrieren, zur Stille zu kommen und vor allem den Geist des Franz von Assisi unmittelbar zu spüren.

Dazu trug Bruder Lukas auch die Überlieferungen von Bruder Thomas vor, der Franziskus begleitete und dessen letzte Lebensmomente aufzeichnete. Kurz vor seinem Tod versammelte Franziskus seine Mitbrüder, segnete sie und teilte – ganz wie Jesus beim letzten Abendmahl – das Brot mit ihnen. Anschließend ließ er sich in die kleine Kirche der hl. Maria Portiuncula (befindet sich heute im Inneren der Basilika Santa Maria degli Angeli bei Assisi) tragen. Dort beteten sie gemeinsam einen Psalm und lasen aus dem Johannesevangelium (Joh 13,1).

Bevor Franziskus schließlich starb, forderte er alle Anwesenden auf, das von ihm verfasste Lied anzustimmen: den Sonnengesang, den er ein Jahr zuvor verfasst hatte. Ein Lied, das sie immer wieder singen sollten – und nach dieser letzten Aufforderung schied er aus der irdischen Welt in die Ewigkeit.

Im weiteren Verlauf des Abends wurden die engen Wegbegleiter des Heiligen durch eindrucksvolle Darstellungen lebendig: Bruder Matthias Equit von den Franziskanerbrüdern vom Heiligen Kreuz schlüpfte in die Rolle des Bernhard von Quintavalle aus Assisi. Bernhard war einst ein wohlhabender Kaufmann, den das radikale Leben des Franziskus – der als Sohn reicher Tuchhändler alles aufgab, betteln ging und Kranke pflegte – zutiefst beeindruckte. Nach einer nächtlichen Bibellesung, die für ihn eine persönliche Einladung darstellte, verschenkte Bernhard sein gesamtes Vermögen, gab Status und Beruf auf und wurde zum ersten Nachfolger des Franziskus. An diesem Abend wurden die drei bedeutsamsten Sätze für ihr Wirken in der Bibel gelesen: "Verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen. Nimm nichts mit auf den Weg. Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst." Daraus resultieren auch die bis heute geltenden Ordensregeln:

Armut (Leben ohne Eigentum) - Der radikale Verzicht auf persönlichen Besitz, Geld und Reichtum, um ein einfaches Leben in Abhängigkeit von Gottes Fürsorge zu führen.

Keuschheit (Ehelosigkeit) - Die freiwillige Ehelosigkeit und der Verzicht auf Partnerschaft um des Himmelreiches und des ungeteilten Dienstes an den Mitmenschen willen.

Gehorsam - Die Unterordnung unter die Ordensleitung, die Kirche und vor allem die gemeinsame Nachfolge des Evangeliums Jesu Christi.

Schwester Christa Maria Plum SPSF von den Armen-Schwestern vom Heiligen Franziskus verkörperte in ihrer Darstellung die heilige Klara von Assisi. Klara entstammte dem Adel und schloss sich als junge Frau entschlossen den Idealen des Franziskus an. Im Jahr 1211 floh sie aus ihrem Elternhaus zur kleinen Kapelle von Portiuncula. Dort schnitt ihr Franziskus das Haar und kleidete sie in das Bußgewand. Für sie und ihre Gefährtinnen – zu denen bald auch zwei Schwestern von ihr und nach dem Tod des Vaters ebenfalls ihre Mutter zählten – gründete Franziskus die Gemeinschaft der „Armen Frauen“ in San Damiano, aus der später der weltweit bekannte Orden der Klarissen hervorging.

Ein ganz besonderer und inspirierender Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Comedians Khalid Bounouar, der in einen tiefgehenden Dialog mit Bruder Lukas Jünemann trat.

Khalid schilderte dabei seinen persönlichen Blick auf Franziskus als eine Persönlichkeit, die absolut offen für den Dialog auf Augenhöhe war – und das völlig frei von jeglichen Missionsgedanken. Franz wachte über die Schöpfung und durchbrach bestehende Grenzen, indem er beispielsweise mutig den Sultan aufsuchte und das Gespräch mit ihm suchte.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs schlug Khalid auch eine Brücke zu eigenen Lebenserfahrungen: Er berichtete von seinen Erlebnissen mit negativer Presse, als er Pate in Aachen bei der bundesweiten 72-Stunden-Aktion war und damals in der Öffentlichkeit – ähnlich wie einst Franz von Assisi – als „der Verrückte“ abgestempelt wurde. Die Schlagzeile in der Bild-Zeitung lautete damals bezeichnend: „Moslem engagiert sich für Katholische Kirche“.

In ihrem gemeinsamen Resümee fassten Khalid Bounouar und Bruder Lukas Jünemann zusammen, dass Franziskus stets Grenzen überwunden und die Menschen sowie die Schöpfung mit einem liebevollen Blick betrachtet hat. Für ihn waren drei Punkte von zentraler Bedeutung: die Schöpfung, der Friede und die Geschwisterlichkeit.

Khalid zog ein berührendes Fazit: Wir sind alle Geschwister – Brüder und Schwestern –, weil wir letztlich denselben Urvater haben. Genau deshalb ist es so wichtig, die Mitmenschen und andere Teile der Schöpfung wie Geschwister zu behandeln. Er erinnerte an die gemeinsame ethische Regel von Christentum und Islam: „Was du nicht möchtest, was man dir antut, das tu auch keinem anderen an.“ Auch im Koran stünde geschrieben, den Menschen auf seine beste Art und Weise zu respektieren. Letzten Endes betonte Khalid eindringlich: Mose, Jesus und Mohammed seien alles Geschwister im Glauben.

Getragen wurde dieser außergewöhnliche Abend von den drei in Aachen verwurzelten Gemeinschaften: Den Armen Brüdern des heiligen Franziskus, den Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus und den Elisabethinnen, die alle das soziale und caritative Leben in der Kaiserstadt seit Generationen prägen.

Die traditionsreiche Kirche St. Nikolaus bot den perfekten, stimmungsvollen Rahmen für dieses historische Jubiläum. Die Veranstaltung machte eindrucksvoll erlebbar, wie der Geist der franziskanischen Spiritualität – geprägt von Nächstenliebe, interreligiöser Offenheit und tiefem Respekt vor der Schöpfung – auch nach 800 Jahren nichts von seiner universellen Strahlkraft verloren hat.

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