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Armut - beleuchtet ...:Impuls für September von Sr. Lioba Zahn OSB

Sr. Lioba Zahn OSB
Datum:
1. Sept. 2026
Von:
Ordensbüro

Armut - warum mir dieses Thema ausgerechnet für den Septemberimpuls einfällt? Zufall? 
Nun, bei der Lesung der Regel Benedikts kam kürzlich wie schon so viele, viele Male zuvor, das Kapitel über die Armut. Und relative zeitgleich wurde ich beim morgendlichen Psalmengesang im Chor bei Psalm 4,8 hellhörig: “Du hast mir größere Freude ins Herz gegeben als ihnen zur Zeit, wo sie Korn und Wein in Fülle haben“. Und gerade vorgestern in der Betrachtung Lk 12,33: „Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht altern, einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo sich kein Dieb naht, und den keine Motten fressen“. Zufall ? Was auch immer, es passt ja, denn wir hatten gerade unsere zweiwöchigen Konventsferien, die wir im Kloster verbringen mit Radtouren, Wanderungen, Museeumsbesuchen u.ä.. Dabei geben wir, schon weil es auch besondere Leckereien zu essen und zu trinken gibt, doch mehr Geld für uns aus, als im Alltag. Und dann, als wären das nicht genug Anlässe, schickte mir eine unserer Kirchenväterspezialistinnen, der ich gestern von meinem Impulsversuch erzählte, einen Text des Origenes per E-Mail. Zufall? 
“…`Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich´ (Mt 5,3). Es ist diese selige Armut, die spricht: "Gold und Silber habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir. Im Namen Jesu Christi des Nazoräers steh auf und geh umher!" (Apg 3,6). Ein solcher Armer wohnt immer in Jerusalem und besitzt geistlichen Reichtum. Sein Gold ist die Weisheit, sein Silber das Wort der Erkenntnis, sein Gewand ist Christus, sein köstliches Festmahl ist der Tisch der Weisheit und die reichhaltige Nahrung im Wort Gottes, er trinkt den Wein der Freude, den die Weisheit in ihrem Krug gemischt hat (vgl. Spr 9,2.5), von den Opfertieren ihrer Einsicht genießt er feste Speisen und das Fleisch gewordene Wort. Das ist der geistliche Reichtum…“ (Origenes, Kommentar zum Römerbrief)
Ohje – wie gehe ich damit um? Es ist ja doch eine ziemliche Steilvorlage, der wir da folgen sollen. Im Alltag werde ich dem ständig nicht gerecht, mag ich durchaus “Korn und Wein in Fülle”  oder zumindest doch entsprechende leibliche/weltliche Äquivalente. Und als Cellerarin ist es immer wieder herausvordernd, genug “Schätze” auf Erden für den Erhalt unseres Klosters und die Lebenshaltungskosten ganz irdisch gut anzulegen – und gleichzeitig nach dem wahren Schatz im Himmel zu trachten. Und erst Origenes! Wie geht es Ihnen, wenn Sie einen solchen Text lessen? Ich schwanke zwischen dem “Ohje – wie weit bin ich davon entfernt!”, einem “Ach nee, das ist aber auch wirklich überhöht und unerreichbar!”, einem “Na klar, das ist ja die Richtung, in die ich will” bis hin zu “Oh Gott, hilf mir bitte – und sende mir dein Erbarmen, auf das allein ich in allen Überforderungen des (Ordens)Leben baue und von dem ich mich immer neu getragen wissen darf, wenn ich schon meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge - geschweige denn den obigen Zitaten.” Bleibe du bei mir, Herr, auf meinen so oft krummen Wegen.

Sr. Lioba Zahn OSB