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Stark für andere - das Ehrenamtsportrait in der Region Eifel:Lieber Anpacken als Meckern

Udo Hergarten
Udo Hergarten (62) betätigt sich seit seiner Jugend ehrenamtlich. Sein Credo: Lieber anpacken als meckern.
Datum:
15. Apr. 2026
Von:
Stephan Johnen

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falschen Klamotten. Udo Hergarten ist gerne draußen an der frischen Luft, aktiv in der Natur. Vor drei Jahren hat sich der 62-Jährige im Hellenthaler Ortsteil Blumenthal ein Haus gebaut. Mit Abschluss der Arbeiten stand auch wieder mehr Zeit zur Verfügung. Zeit für ein Ehrenamt. „Ich habe etwas gesucht“, sagt er. Rund um die Kirche St. Brigida wurde er fündig. Seit etwa einem Jahr kümmert er sich ehrenamtlich um den Kirchhof, mäht den Rasen, hält die Gräber sauber, schaut nach dem Wasser, jätet Unkraut. Mit dem zaghaften Erwachen des Frühlings beginnt nun wieder die Arbeit. Und Und Hergarten freut sich darauf.

Warum eigentlich? Angesichts dieser Frage muss Udo Hergarten lachen. „So etwas möchte doch kein Mensch mehr machen. Aber ich bin gerne draußen, habe Zeit“, sagt er und fügt hinzu: „Ich musste eigentlich immer etwas haben.“ Schon sein seiner Jugend habe er sich eingebracht. Im Sportvereinen, in anderen Institutionen, bei der Deutschen Jugendkraft in seiner Heimatgemeinde. Als die Kinder noch klein waren, legte er die entsprechenden Prüfungen für einen Trainerschein ab, trainierte die Jugend auf dem Sportplatz, parallel dazu übernahm er Verantwortung in den Vorständen vieler Vereine. Über die Deutsche Jugendkraft hat er viele Aktionen gestartet, beispielsweise einen großen Kinderzirkus organisiert, bei dem Schülerinnen und Schüler aus Hellenthal eine Woche lang das „Zirkushandwerk“ gelernt haben und es zum Abschluss eine Vorstellung mit 400 Zuschauern gab. „Manchmal geht mit mir auch der Gaul durch“, berichtet er schmunzelnd. Eine tolle Sache sei der Zirkus gewesen. Für die Kinder, die Eltern – aber auch für ihn als Organisator.

„Ich bin jetzt fast auf Null“, sagt er. Also im Vergleich zu früheren Jahren. Denn untätig ist Udo Hergarten in seiner Freizeit nach wie vor nicht: Er ist Mitglied im Eifelverein und übernimmt dort Aufgaben, sein Steckenpferd ist aber ein Brauchtumsverein. „Wir überlegen, was man in den kleinen Orten und Dörfern machen und organisieren kann, was es früher alles gab“, erklärt er. Denn so rege das Orts- und Vereinsleben früher einmal war – vieles sei mit der Zeit eingeschlafen, wegberochen. Nicht unbedingt, weil alle Menschen nur noch mit der Tüte Chips auf der Couch sitzen und Filme streamen.

„Es fehlen die Vorturner“, sagt er. Die Lehrer oder Pastöre beispielsweise, die in der Vergangenheit an vielen Stellen Dinge angestoßen haben. Gleichzeitig sei es aufgrund von Bestimmungen und Vorschriften immer schwieriger, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. „Muss es denn immer so kompliziert sein?“, fragt sich Udo Hergarten. Sein Credo lautet: Lieber anpacken als meckern. „Ich wünsche mir, dass die Leute viel mehr selbst die Augen aufmachen und Aufgaben erkennen. Es wäre vieles einfacher, wenn wir alle selber etwas machen anstatt immer nur zu kritisieren, wenn etwas nicht funktioniert“, findet der 62-Jährige. Es ist ihm wichtig, auch mit Jugendlichen im Gespräch zu bleiben, sie zu ermutigen, selbst Dinge zu organisieren, die Planungen in die Hand zu nehmen. „Von alleine kommt das da nicht hin“, sagt er.

Ideen hat er übrigens noch genug. So fing er an, im Hof seines Hauses eine kleine Nikolausfeier zu veranstalten. Mit 20 Personen wurde die Premiere gefeiert. Im vergangenen Jahr waren es 150. Udo Hergarten, der auch handwerklich fit ist, hatte einen riesigen Schlitten und eine beleuchtete Kirche gebaut. Ein bisschen Dekoration schadet schließlich der Atmosphäre nicht. „Du kannst mit einfachen Mitteln so viel bewegen, das ist herrlich“, findet er. Die Definition von „einfach“ liegt allerdings in den Augen des Betrachters. Udo Hergarten jedenfalls macht es Spaß – und deswegen macht er es sehr gerne.