Die unabhängige Aufarbeitungskommission begleitet und kontrolliert die Aufarbeitung im Bistum Aachen im kritischen Dialog.
Sie untersucht Ursachen, Strukturen und Umgang mit Tätern und Betroffenen in der Vergangenheit, macht Voraussetzungen für Vertuschungen transparent und analysiert die quantitativen Dimensionen sexualisierter Gewalt. Dazu kann sie Einsicht in die Akten nehmen, Betroffene anhören und Untersuchungen beauftragen.
Aus der Arbeit der Kommission sollen auch Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Prävention und Intervention entstehen. Im Fokus der Arbeit steht die Betroffenenperspektive.
Grundlage ist die „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ .
Aufgaben
- Impulsgeber beim Aufarbeitungsprozess
- Kontrolle der Aufarbeitungsbemühungen
- Untersuchung von Strukturen und systemischen Ursachen, die sexualisierte Gewalt und ihre Vertuschung ermöglicht haben
- Analyse der quantitativen Dimensionen des Missbrauchs
- Untersuchung des Dunkelfeldes
- Formulierung von Empfehlungen zur Verbesserung der Präventions- und Interventionsarbeit
- bundesweite Vernetzung
- Berichterstattung über den Aufarbeitungsprozess
Mitglieder
Die Betroffenen sind vertreten durch:
- Christine König ist Diplom-Soziologin und verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung und Unterstützung von Betroffenen als ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Notruf für Frauen in Köln.
- Paul Leidner war unter anderem Leiter des Geschäftsbereiches Altenhilfe und Pflege beim Caritasverband für das Bistum Osnabrück sowie nebenamtlicher Geschäftsführer von zwei Pflegeeinrichtungen und bringt umfassende Leitungserfahrung im sozialen Bereich mit.
Das Land NRW hat zwei Vertreter benannt:
- Paul Larue engagierte sich früh in der kirchlichen Jugendarbeit, war in den 1980er-Jahren Pfarrgemeinderatsvorsitzender und leitete anschließend fast zwei Jahrzehnte eine Weiterbildungseinrichtung im Bistum Aachen. Von 1999 bis 2020 war er Bürgermeister der Stadt Düren und Jugenddezernent. Er verfügt über Abschlüsse in Geschichte, Theologie und Erziehungswissenschaft sowie Erfahrung in der politischen Bildungsarbeit.
- Klaus Kattendahl-Biedermann verfügt über langjährige Erfahrung im Polizeidienst, insbesondere in der Ermittlung von Fällen sexualisierter Gewalt sowie in der Leitung von Disziplinar- und Strafverfahren,zuletzt leitete er das Kommissariat KK 13 in Krefeld. Außerdem unterstützt er die Evangelische Kirche im Rheinland bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.
Das Bistum Aachen hat drei Personen berufen:
- Dr. Hans-Joachim Eberhard ist als Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen tätig und verfügt über umfassende praktische Erfahrung in der Arbeit mit Gewalttätern, insbesondere im Kontext therapeutischer Betreuung in Vollzugsanstalten, Zudem ist er unter anderem als Supervisor (DGSv) tätig.
Professor Dr. Thomas Kron ist Universitätsprofessor für Soziologie an der RWTH Aachen und Vorsitzender der Kommission; seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Konflikt und Gewalt in Organisationen, zu denen er umfangreich publiziert hat.
Dr. René Rohrkamp ist seit 2014 Leiter des Stadtarchivs Aachen und hat zahlreiche Studien zu sozial- und militärhistorischen Themen der NS-Zeit sowie zur regionalen Zeitgeschichte durchgeführt und veröffentlicht.
Interveventionsbeauftragte, Präventionsbeauftragte und eine der Ansprechpersonen sind ständige Gäste in der Aufarbeitungskommission.
Die Aufarbeitungskommission trifft sich alle zwei Monate. Zudem ist die Kommission bundesweit mit den anderen Aufarbeitungskommissionen der deutschen Bistümer vernetzt.