Katholische Grundschule LeNie in Düren:Ein Sarg im Klassenzimmer – und viele Fragen

Düren. Etwas komisch war es schon, als der Sarg plötzlich in der Schule stand. Ungewohnt auf jeden Fall. Einige Kinder wussten schon, was ein Sarg ist, hatten schon an einer Bestattung eines verstorbenen Angehörigen teilgenommen. Für andere war es spannend, einfach einmal einen leeren Sarg aus nächster Nähe zu sehen, ihn sogar öffnen zu können. Was dann folgte, daran werden sich die Kinder sicherlich noch lange erinnern: Mit vielen bunten Farben gestalteten sie eine Woche lang den unbehandelten Sarg aus Kiefernholz. „Die Jungen haben Wiese und Himmel gemalt, die Mädchen Schmetterlinge und Bienen“, erklärte Ella-Marie nicht ohne Stolz. „Ihr habt etwas Tolles geschaffen, da könnt ihr stolz drauf sein“, zollte Bestatter Dino Breuer den Schülerinnen und Schülern der Klassen 4a und 4b der Städtischen Katholischen Grundschule LeNie Respekt. „Ihr habt das für jemanden vorbereitet, der von einem geliebten Menschen Abschied nehmen muss, euer Einsatz spendet der Familie Trost“, sagte Breuer, der den Sarg zur Verfügung gestellt hatte. Doch der Reihe nach.
Bevor Dino Breuer den Sarg in die Schule brachte, wurden die Schülerinnen und Schüler in Lendersdorf ausführlich darauf vorbereitet. „Wir haben im Religionsunterricht über das Thema Tod gesprochen“, berichtet Theo. Auch über Sterben und Auferstehung, Krankheiten, warum es so weh tut, wenn jemand stirbt, den man gerne hat. „Das Thema ist mein Steckenpferd, ich habe schon meine Examensstunde zum Thema Tod gemacht“, erklärt Schulleiterin und Religionslehrerin Mareike Hakert. Mit ihrer Kollegin Kristina Stella hatte sie eine ganze Themenreihe vorbereitet, die nicht nur die religiösen Fragen behandelte. Die Kinder haben sich beispielsweise auf dem Friedhof Gräber angeschaut und etwas über die christliche Symbolik auf Grabsteinen erfahren, aber auch gelernt, wie man sich auf einem Friedhof als Zeichen des Respekts verhält. „Auch ein Bestatter kam zu uns in die Schule“, berichtet Max. Während der Diskussion mit beiden Klassen wurden unheimlich viele Fragen gestellt – und das gesellschaftliche Tabuthema „Tod“ aufgebrochen. „Ich habe Herrn Breuer gefragt, wie das so ist, wenn man Bestatter ist“, sagt Ella-Marie. Aurelia ist es wichtig zu sagen, dass sie nach Abschluss der Unterrichtsreihe keine Angst mehr vor dem Tod hat.
„Früher wurde ein Verstorbener zu Hause aufgebahrt. Heute ist alles anonymisiert, der Tod wurde in Einrichtungen verschoben.“
Dino Breuer, Bestatter
Kinder mit einbeziehen
Die Idee hinter dieser Reihe war, Kinder nicht auszuschließen, ihnen frühzeitig zu vermitteln, dass der Tod unzertrennlich mit dem Leben verbunden ist. „Ganz früher wurden Kinder mit einbezogen. Ein Verstorbener wurde zu Hause bis zur Beisetzung aufgebahrt. Die Familie, Freunde und Nachbarn nahmen Abschied. Heute ist alles anonymisiert, der Tod wurde in Einrichtungen verschoben, in Krankenhäuser und Seniorenheime“, berichtet Dino Breuer. Schon einmal hat er, an einer anderen Schule, einen Sarg zur Verfügung gestellt, damit dieser von Kindern bemalt werden kann. „Die Kinder haben viele Fragen, wollen viel wissen. Aber sie haben auch Spaß, sich für andere Menschen einzusetzen, geben sich viel Mühe bei der Gestaltung“, sagt er. Denn damals wie heute will er den von den Kindern bemalten Sarg einer bedürftigen Familie zur Verfügung stellen. „Es ist schön, etwas für andere Menschen tun zu können, auch wenn wir sie nicht kennen“, sagt Nico. Alle haben gerne mitgemacht und hoffen beziehungsweise sind überzeugt, auf diese Weise auch etwas Trost spenden zu können.
„Es ist ein Ansinnen, den Kindern etwas mitzugeben, vielleicht sogar Gespräche zu Hause anzustoßen“, erklärt Lehrerin Kristina Stella. Kinder seien sehr aufmerksam, sie bekommen mit, wenn „etwas nicht stimmt“, beispielsweise wenn jemand in der Familie gestorben ist und die Eltern weinen. Diese Erfahrung hat auch Dino Breuer gemacht. „Die Eltern sind traurig, aber die Kinder wissen nicht warum“, sagt er. Es sei ein Reflex, Kinder vor der Trauer schützen zu wollen, aber er empfiehlt, die Kinder mit einzubeziehen, ihnen zu erklären, warum die Erwachsenen traurig sind. Trost soll auch die Symbolik spenden: Die vielen bunten Blumen und das grüne Gras stehen für den Kreislauf des Lebens, für Hoffnung. Dafür, dass ein Ende auch wieder ein Neuanfang ist, erklären die Kinder. Eigentlich schade, dass nicht mehr Särge so bunt sind, finden sie.
„Ihr habt das für jemanden vorbereitet, der von einem geliebten Menschen Abschied nehmen muss, euer Einsatz spendet der Familie Trost.“
Dino Breuer, Bestatter