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Interview:Mit Fakten gegen Fake-News

Die ehemalige Bundesministerin Annette Schavan hält eine aufklärerische Grundhaltung für unverzichtbar. Ein Gespräch über katholischen Journalismus.
Annette Schavan
Datum:
Mo. 12. Okt. 2026
Von:
Claudia Karl

Aachen. Unabhängiger Journalismus ist für die Kirche kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Davon ist Annette Schavan überzeugt. In der Jubiläumsausgabe "Was uns trägt - 80 Jahre Kirchenzeitung für das Bistum Aachen" spricht sich die ehemalige Bundesministerin und frühere Botschafterin beim Heiligen Stuhl für eine kritische, vielfältige und professionell arbeitende katholische Medienlandschaft aus. Gerade in Zeiten von Polarisierung, Fake News und gesellschaftlicher Spaltung müsse katholischer Journalismus den Blick für das Ganze öffnen – und auch unbequeme Wahrheiten ans Licht bringen.

„Auch Kirchenzeitungen sind keine Amtsblätter“, sagt Schavan. Journalistische Unabhängigkeit sei gerade im kirchlichen Kontext unverzichtbar. „Nur die Wahrheit macht nach christlicher Auffassung frei.“ Journalisten müssten dafür sorgen, „dass alles, was unter den Tisch gekehrt wird, auf den Tisch kommt“. Die aufklärerische Grundhaltung sei etwas, das sich gerade katholische Medienschaffende leisten könnten und sollten.

Gegen Polarisierung und Fake News setzt Schavan auf Fakten und Vielfalt. Katholischer Journalismus dürfe nicht nur Geschichten erzählen, die ins eigene Weltbild passen. Er müsse aus der eigenen Blase ausbrechen, andere Perspektiven berücksichtigen und sich den Themen an den Rändern der Gesellschaft widmen. Fakten seien das entscheidende Mittel, um Fake News entgegenzutreten. Die freie Rede – im kirchlichen Kontext auch als „Parrhesia“ bezeichnet – habe eine zivilisierende Kraft und könne neue Perspektiven eröffnen.

Vielfalt zeichnet katholischen Journalismus aus

Für Schavan ist dabei klar: Katholische Medien müssen nicht alle dieselbe Position vertreten. Die Vielfalt der katholischen Medienlandschaft begrüßt sie ausdrücklich. Die Kirche sei keine „uniforme Veranstaltung“, sondern vereine unterschiedliche Mentalitäten und Prioritäten. Eine Grenze sei allerdings dort erreicht, wo im Namen Gottes Verachtung von Menschen, Rassismus oder Kriegstreiberei verbreitet würden.

Auch die Zukunft der Kirchenzeitungen hängt für Schavan davon ab, ob sie sich weiterentwickeln und neue Zielgruppen erreichen. Wer junge Menschen erreichen wolle, müsse zudem in sozialen Medien präsent sein – und Inhalte anbieten, die für diese Zielgruppe attraktiv sind. Künstliche Intelligenz verändert den Journalismus, ersetzt aber nicht dessen Unabhängigkeit. Eine KI-generierte Kirchenzeitung sei zwar möglich, aber nicht wünschenswert, sagt Schavan. KI könne bei Recherchen helfen. Entscheidend bleibe jedoch, die intellektuelle Unabhängigkeit zu bewahren. Ebenso wichtig sei es, neben schlechten Nachrichten den Blick für positive Entwicklungen nicht zu verlieren.

Persönliche Beziehung zur Kirchenzeitung

Ihren eigenen Glauben beschreibt Schavan als Quelle von Vertrauen, Halt und Orientierung. Auch während ihrer 18 Jahre als Ministerin habe er ihr geholfen, die innere Unabhängigkeit zu bewahren. Ihre Zeit als Botschafterin in Rom sei zudem eine besondere Erfahrung der Weltkirche in einer zerrissenen Welt gewesen. Mit der Aachener Kirchenzeitung verbindet Schavan auch persönliche Erinnerungen: Während ihrer Tätigkeit im Aachener Generalvikariat unter Bischof Klaus Hemmerle habe sie eine besondere Verbindung von Spiritualität und Liberalität erlebt. Für die Kirchenzeitung wünscht sie sich, dass sie diese Verbindung bewahrt und weitergibt.