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Weltmission:Schwester Claudine: „Ich wollte meine Talente nutzen“

Schwester Claudine erforscht Madagaskars Heilpflanzen. Ihr Ziel: wirksame, bezahlbare Medizin entwickeln – und damit das Leben vieler Menschen vor Ort verbessern.
Anbau und Produktion: Schwester Claudine stellt aus der Pflanze Desmodium das Medikament Cimopar her
Datum:
Di. 22. Sept. 2026
Von:
Barbara Dreiling

Was sie einmal zu tun beschlossen hat, das tut sie auch. Wenn man mit Schwester Claudine Aimée Rasolohery über ihre Arbeit spricht, spürt man ihre Zielstrebigkeit. Sie wolle „etwas tun, das einen praktischen Nutzen hat“, sagt sie. Sie wolle „den Pflanzenreichtum nutzen, den Gott uns geschenkt hat“, damit er allen Menschen zugutekommt.

Schwester Claudine (62) ist nicht nur katholische Ordensschwester, sondern auch Professorin für Chemie. Sie lebt in Madagaskar, ihrem Heimatland, wo sie für ihr Engagement und ihren Forschergeist bekannt ist und Auszeichnungen erhalten hat. Ihr Ziel war es immer, etwas Sinnvolles für ihre Mitmenschen zu tun. „Ich wollte meine Talente nutzen, die Gott mir in den Naturwissenschaften gegeben hat. Ich wollte etwas Gutes tun. Und ich wollte forschen und lehren“, sagt sie. Heute betreibt Schwester Claudine ein Labor für Heilpflanzen an der Universität von Fianarantsoa und arbeitet an der Herstellung von pflanzlichen Medikamenten. Zwar gibt es in den madegassischen Apotheken chemische Heilmittel. Doch viele davon werden im Ausland produziert und sind für die Menschen in Madagaskar nicht bezahlbar.

„Sie sind bitterarm. Sie haben kein Geld für Essen und erst recht kein Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken“, sagt Schwester Claudine. Stattdessen würden sich die jungen Mädchen für das Familieneinkommen prostituieren. Entlang der örtlichen Fernstraße bieten sie sich Lkw-Fahrern an. „Das ist eine verzweifelte Situation“, sagt Schwester Claudine.

Mit ihrem Labor trägt die Ordensfrau, die von missio Aachen unterstützt wird, zur Gesundheitsversorgung bei. „Ich habe mich gefragt, ob ich der madegassischen Bevölkerung nicht mit Heilpflanzen helfen kann“, sagt Schwester Claudine. „Es gibt in Madagaskar 23 000 Pflanzenarten und davon sind 83 Prozent als Heilpflanzen nutzbar“, erklärt sie.

Vor einigen Jahren erhielt ein Medikament, das Schwester Claudine aus der Pflanze Desmodium adscendens entwickelt hat, die Zulassung. Cimopar, eine Lösung zum Einnehmen, kostet ein Sechsunddreißigstel der ausländischen Medikamente. Es ist auch für ärmere Menschen bezahlbar und wirkt gegen Hepatitis A, B, und C – also gegen Viruserkrankungen, die auf der Insel weit verbreitet sind.

Die Arbeit an einem Medikament ist aufwendig. Dass das Desmodium bei Lebererkrankungen helfen könnte, haben Forscher schon in den 1960er-Jahren vermutet. Als Schwester Claudine 2007 mit ihren Untersuchungen begann, musste sie zunächst herausfinden, ob das sogenannte Bettlerkraut in Madagaskar überhaupt wächst. „Das hat ziemlich lange gedauert“, sagt sie.

Doch sie fand natürliche Vorkommen und begann damit, die Inhaltsstoffe zu testen. Sie habe sich die synthetischen Medikamente angeschaut und sich gefragt, ob sie nicht ähnlich wirksame Stoffe in den Pflanzen findet, sagt sie – „in den Pflanzen, die Gott mir kostenlos geschenkt hat“.

Kurze Zeit später erwarb sie im Osten des Landes mehrere Hektar Land, auf denen die Pflanze wild wächst. Seitdem kann sie der Bevölkerung auch wirtschaftlich helfen, indem sie sie in ihre Arbeit einbezieht. „Wir setzen die Menschen bei der Ernte und bei der Präparation der Pflanzen ein, damit sie etwas Geld verdienen können. Wir ernten zweimal im Jahr. Es ist nicht viel, was sie bei uns verdienen können, aber immerhin etwas“, sagt Schwester Claudine.

Auf der Forschungsfarm bei Moramanga baut Schwester Claudine mit ihrer Gemeinschaft und den Menschen vor Ort auch Obst, Gemüse und Gewürze an und sie hat eine kleine Fischzucht aufgebaut. So, sagt sie, hätten sie und ihre Mitschwestern es geschafft, dass in der Bevölkerung auch die Wertschätzung der Natur zugenommen hat.

Schwester Claudine erzählt, dass es häufig Buschfeuer gibt, absichtliche Brandrodungen. Waldstücke werden abgebrannt, um daraus Weidefläche und Ackerland zu machen. Jetzt wollten einige Menschen keine Feuer mehr legen, erzählt Schwester Claudine. Sie sagten sich: „Wenn es Feuer gibt, gibt es danach keine Pflanzen und keine Arbeit mehr.“

Ihr und ihren Mitschwestern gegenüber ist Vertrauen gewachsen. „Vor einiger Zeit sind Eltern zu uns gekommen und haben uns gebeten, sie bei der Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen“, sagt die Ordensfrau.

Die Gemeinschaft will ein Schwesternhaus bauen, um in der Gegend bleiben zu können und sich besser um die Menschen kümmern zu können. Für die Menschen mit Hepatitis-Erkrankungen gibt es jetzt schon Hilfe. Nach sechs Monaten Behandlung sind die meisten geheilt.

 

Eröffnung in Aachen

Der Sonntag der Weltmission ist die größte Solidaritätsaktion von Katholikinnen und Katholiken weltweit. Mehr als 100 päpstliche Missionswerke sammeln Spenden für die pastorale und soziale Arbeit der Kirche. In Deutschland wird der Weltmissionssonntag am 25. Oktober gefeiert. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr Madagaskar.

Die bundesweite Eröffnung findet in Aachen statt. Am Sonntag, 27. September, beginnt um 10 Uhr im Aachener Dom ein feierliches Pontifikalamt mit Bischof Dr. Helmut Dieser, dem Bischof des Bistums Fort Dauphin im Süden Madagaskars, Luc-Olivier Razafitsimialona und missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener. Domradio überträgt den Gottesdienst live.