„Wenn die Ukraine fällt, dann fällt auch Europa!“

Zwei Jahre Kampf um die Freiheit: Diskussionen und Perspektiven.

In der Bischöflichen Akademie diskutierte die pax christi-Gruppe Aachen über den Ukraine-Krieg (v.r.): Robert Zurek, Hennes Schnettler, Oleksandr Petrenko, Anna Strobel, Anastasia Zlobina und Iryna Rotar. (c) Bistum Aachen
In der Bischöflichen Akademie diskutierte die pax christi-Gruppe Aachen über den Ukraine-Krieg (v.r.): Robert Zurek, Hennes Schnettler, Oleksandr Petrenko, Anna Strobel, Anastasia Zlobina und Iryna Rotar.
Datum:
Do. 22. Feb. 2024
Von:
Kommunikationsabteilung

„Traurig, stark, aber auch mutig“: Mit diesen Adjektiven umschreibt Julia Pich vom Verein „Ukrainer in Aachen“ ihre persönliche Befindlichkeit nach zwei Jahren Krieg. „Auch wenn wir schon länger mit dieser Situation leben müssen, stellt der Angriff auf die Ukraine für mich eine unglaubliche Erschütterung dar.“ Zwei Jahre Krieg. Mitten in Europa: Zu diesem Anlass haben sich gleich mehrere Formate mit diesem Thema auseinandergesetzt. Unter dem Titel „Zwei Jahre Kampf um die Freiheit – Aachener Perspektiven auf den Ukraine-Krieg“ hatte die Görres-Gesellschaft in Kooperation mit der Bischöflichen Akademie am Donnerstag, 15. Februar 2024, zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Neben Julia Pich saß mit der NRW-Landtagsabgeordneten Annika Fohn (CDU) auch eine Politikerin auf dem Podium. Moderiert hat die Diskussion Dr. Angela Reinders, Direktorin der Bischöflichen Akademie.

In der Ukraine steht auch die Freiheit Europas auf dem Spiel

„Jenseits der Theorie wollen wir uns hier vor allem mit der Praxis befassen, denn – und das ist keine Floskel – in der Ukraine steht auch die Freiheit Europas auf dem Spiel“, unterstreicht Dr. Martin Barth, Generalsekretär der Görres-Gesellschaft. Wie beide Rednerinnen die vergangenen zwei Jahre erlebt hätten, wollte Dr. Angela Reinders wissen. Von einer überwältigenden Hilfsbereitschaft berichtet Annika Fohn. „Die Menschen wollten in der Anfangszeit gar nicht mehr aufhören zu spenden“, sagt die 37-jährige Politikerin. Dennoch sei es später auch zu einer Übersättigung innerhalb der Gesellschaft gekommen. Und Julia Pich ergänzt: „Der Krieg ist leider zur Normalität geworden. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass jeder Ukrainer, der an der Front steht, auch für uns kämpft.“ Zudem, sagt die Juristin, die seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebt, dass der Verein „Ukrainer in Aachen“ bereits kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 gegründet worden sei. „Wir versuchen, die Stimme vor Ort zu sein und helfen den Geflüchteten, die zu uns in die Städteregion kommen.“

„Warum gebt ihr nicht einfach auf?“

Diskutierten engagiert über den Krieg in der Ukraine (v.l.): Annika Fohn (MdL), Dr. Angela Reinders (BAK) und Julia Pich (
Diskutierten engagiert über den Krieg in der Ukraine (v.l.): Annika Fohn (MdL), Dr. Angela Reinders (BAK) und Julia Pich ("Ukrainer in Aachen")

Darüber hinaus sei aber auch viel Aufklärungsarbeit nötig gewesen. „Ich habe oftmals hören müssen: Warum gebt ihr nicht einfach auf? Doch wenn wir aufgeben, werden wir vernichtet.“ Aus diesem Grund appelliert Julia Pich an das überwiegend junge Publikum, sich darüber Gedanken zu machen, was Freiheit wirklich bedeutet. „Die Demokratie ist das Wertvollste, was wir in Deutschland haben.“ Zudem forderten beide Diskutantinnen sowohl die deutsche Regierung als auch die Bevölkerung dazu auf, in ihrer Unterstützung für die Ukraine nicht nachzulassen. „In der Situation, in der wir uns befinden, dürfen wir nicht zögerlich sein,“ betont Annika Fohn. Prägnant formuliert es Julia Pich, als sie sagte: „Wenn die Ukraine fällt, dann fällt auch Europa!“

Den Menschen vor Ort eine Stimme geben

Auch die pax christi-Gruppe Aachen hat sich in Kooperation mit der Bischöflichen Akademie mit dem Ukraine-Krieg befasst. Unter dem Titel „Der lange Weg zum Frieden“ sollte es am Dienstag, 20. Februar 2024, darum gehen, den Menschen vor Ort eine Stimme zu geben. „Gerade wir stehen vor der Herausforderung, mitten in einem Krieg von Frieden zu sprechen“, sagt Hennes Schnettler, der als Moderator durch den Abend führte. Als Gäste waren neben dem orthodoxen Priester Oleksandr Petrenko („Wir haben die Hoffnung, dass das russische Regime von innen zusammenfällt“) noch die Aktivistin Iryna Rotar eingeladen, die sich für eine offene und demokratische Gesellschaft in der Ukraine engagiert und mit Beginn des Krieges aus der Region Luhansk geflohen ist. Deutliche Worte für die Situation fand mit Robert Zurek der geschäftsführende Vorstand der Stiftung Kreisau (Polen) für europäische Verständigung, indem er feststellte, dass die entscheidende Frage nicht die eines möglichen Friedens sei, „sondern wie wir das freie Europa und unsere Werte verteidigen und die Diktaturen stoppen können. Auf diese Weise entscheidet sich in der Ukraine auch die Zukunft des Westens und der Welt.“