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Debatte über Verantwortung und Friedenssicherung:„Wir müssen darüber sprechen, welche Werte wir verteidigen wollen“

Der evangelische Theologe Stephan Anpalagan erklärt den Weg vom Kriegsdienstverweigerer zum Reservisten
Stephan  Anpalagan ist ein kritischer Beobachter von Politik und Gesellschaft.
Datum:
Mi. 22. Juli 2026
Von:
Abteilung Kommunikation

Zwanzig Jahre nach seiner Kriegsdienstverweigerung hat der evangelische Theologe und Journalist Stephan Anpalagan seine Gewissensentscheidung revidiert und sich als Reservist gemeldet. Im Interview mit der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen erläutert der in Sri Lanka geborene Autor, warum der russische Angriff auf die Ukraine, die veränderte sicherheitspolitische Lage und persönliche Erfahrungen ihn zu einem Umdenken bewegt haben. Zugleich wirbt er für eine ehrliche gesellschaftliche Debatte über Wehrpflicht, Verantwortung, Frieden und die Frage, welche Werte eine demokratische Gesellschaft verteidigen will. Ausführlich spricht er über die Beweggründe, die ihn zwanzig Jahre nach seiner damaligen Gewissensentscheidung dazu bewogen haben, sich als Reservist zu melden und darüber ein Buch zu schreiben.

Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt

Anpalagan betont, dass ihn weniger militärische Fragen als die grundlegende Auseinandersetzung mit Freiheit, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt beschäftigen. Es fehle bislang ein Raum für Menschen, die zwischen pazifistischer Überzeugung und der Verantwortung zum Schutz anderer ringen. „Die Frage, was wir verteidigen wollen und für welche Werte wir einstehen, wird mir entschieden zu wenig verhandelt“, sagt er. 
Der Theologe schildert zugleich, wie seine eigene Biografie als Sohn sri-lankischer Kriegsflüchtlinge, Erfahrungen mit Rassismus und rechtsextremer Gewalt sowie das Gefühl mangelnder gesellschaftlicher Zugehörigkeit seine ursprüngliche Kriegsdienstverweigerung geprägt haben. Erst der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die wachsenden Bedrohungen für Europa und persönliche Erlebnisse hätten sein Denken verändert.  Kritisch äußert sich Anpalagan sowohl über Defizite innerhalb der Bundeswehr als auch über die politische Debattenkultur. Die Politik müsse den Menschen überzeugend vermitteln, wofür es sich lohne, Verantwortung zu übernehmen und die demokratische Gesellschaft zu verteidigen. Gleichzeitig fordert er mehr gesellschaftliches Engagement aller Generationen und wirbt für einen offenen Dialog statt ideologischer Polarisierung.
Besonders kontrovers setzt sich Anpalagan mit pazifistischen Positionen auseinander. Er würdigt deren ethische Anliegen, fragt aber zugleich nach konkreten Antworten auf aktuelle Kriege wie den russischen Angriff gegen die Ukraine. Sein eigenes Fazit beschreibt er deshalb als „nachdenkliches Ja“: Die Zweifel seien geblieben, dennoch sehe er derzeit eine „normative Notwendigkeit“ zur Bereitschaft, Freiheit und Menschenleben notfalls auch militärisch zu schützen. 

Das ganze Interview finden Sie hier.