Ansprache zum 16. Sonntag im Jahreskreis A-2026:
Warum macht der das? Was kann einen Menschen veranlassen, bewusst einem anderen Schaden zufügen zu wollen? Da sät einer wissentlich Unkraut aufs Feld seines Nachbarn, um der Ernte zu schaden. Das ist doch gemein. Warum gönnt einer dem anderen - eine der anderen - keine gute Ernte? Der Rheinländer sagt so schön: „Man muss och jönne könne“. Warum gönnen Menschen einander die Ernte ihres Lebens nicht? Warum wollen sie zunichtemachen, was andere sich in ihrem Leben mühsam erarbeitet haben?
Um im Bild des gehörten Gleichnisses zu bleiben: Ein Landwirt bereitet seinen Acker. Ich wohne ja auf dem Heinsberger Land und darf tagtäglich sehen, mit welcher Sorgfalt die Bauern ihre Äcker bestellen. Am vergangenen Woche hat unser Bauer den Raps geschnitten; ein paar Tage zuvor den Weizen geerntet, um einem Verbrennen durch die Sonne vorzubeugen.
Das ist harte Arbeit; eine Arbeit, die auch zu meinem Wohl beiträgt, denn ich – und natürlich viele andere – profitieren von dem, woran die Bauern sich abarbeiten. Wenn ich in unserem Bauernladen die Eier und das frische Gemüse kaufe oder auch mein Müsli, dann sehe ich immer in den Augen meines Gegenüber Dankbarkeit und Stolz über das selbst er- und später dann verarbeitete Produkt. Das ist schon was anderes, dort beim Erzeuger einzukaufen, als wenn ich zum Kaufland oder zum Aldi gehe. Da spüre ich eine innige Beziehung zwischen dem Menschen und dem Produkt, was ich kaufe. Zwischen Mensch und Tier, wie auch zwischen Mensch und all dem Schönen, was auf den Feldern wächst: Da ist eine echte, innige Beziehung.
Und dann kommt da jemand, und will zerstören, was ein Mensch sich aufgebaut hat. Das ist schlicht gemein, das gehört sich nicht; der normale Menschenverstand sagt einem schon, dass dies unrecht ist. Und trotzdem tut er es. Der Mensch wird des Menschen Feind. Das spüren wir allenthalben. Und das auch in vielen anderen Kontexten. Im Kleinen wie im Großen gönnen Menschen den anderen nicht ihre Lebensleistung.
Heute Mittag (bzw. Samstagmittag) sind Menschen anlässlich des Christopher Street Day durch die Stadt gezogen, die nichts anderes sind als alle anderen auch: liebenswürdige wie auch liebesbedürftige Menschen; Menschen, die sich sehnen nach einem sinnerfüllten Leben; und Sinn macht ein Leben dann, wenn es sich einem anderen bzw. einer anderen schenken darf; Sinn macht ein Leben dann, wenn es erfahren und spüren darf, wertvoll und kostbar zu sein; Sinn macht ein Leben dann, wenn Liebe ist. Nicht wen ein Mensch liebt ist vorrangig, sondern dass er liebt; nicht wem ich meine Liebe schenke ist wichtig, sondern dass ich sie schenke. Augustinus hat das in einem Satz zusammengefasst: „Liebe und dann tu, was du willst“.
Trotz weitreichenden Errungenschaften aber wird das Leben queerer Menschen immer wieder hinterfragt, beargwöhnt und nicht selten werden sie auch mit Abneigung und Hass konfrontiert. Dass die jetzige Regierung queere Menschen begleitenden Organisationen zugesagte Gelder streitig macht, ist für rechtsradikale Parteien und Gruppierungen Wasser auf die Mühlen ihrer Vorurteile.
Wie geht die Erzählung weiter, die wir heute im Evangelium gehört haben? Der Gutsherr bleibt geduldig; er beruhigt seine Mitarbeitenden, nicht vorschnell zu handeln. „Lass alles wachsen“. Ich bewundere diese Geduld des Gutsherren. Es wäre doch wirklich leichter, das Unkraut gleich bei der Wurzel zu fassen, bevor es noch mehr wuchert. Und eine ganz andere Perspektive: Vielleicht bewahrheitet sich, dass das, was vermeintlich als Unkraut gilt, doch etwas Kostbares und Fruchtbares ist. Erinnern wir uns: Wir würden nie die sättigende Gabe der Kartoffel genießen können, wenn nicht ein Bauer irgendwann nicht die Blätter sondern eben die Wurzel als schmackhaft erkannt hätte.
Da war es so schön zu sehen, dass die Teilnehmenden der Parade so fröhlich lachend ihres Weges gegangen sind. Entgegen so vieler Ausgrenzungstendenzen in unserer Gesellschaft haben sie sichtbar gemacht, worauf es ankommt: dem Leben Gutes, Liebevolles, Dankbares abzugewinnen. Die Zeit der Ernte bestimmen nicht wir, sondern Gott.
Das Bild des heutigen Evangeliums warnt uns vor voreiligen Schlüssen: Uns steht es nicht zu, zu entscheiden, was guter Weizen und böses Unkraut ist. Und nicht wir bestimmen die Zeit der Reife, sondern Gott.
Uns Menschen fehlt zu oft die Geduld und auch der Mut, die Zeit der Reife, die Gott bestimmt, abzuwarten. Wer zu früh beginnt, das Feld zu ernten, der darf sich nicht wundern, wenn nichts reif ist und auch nichts von Nutzen ist. Auf dem Feld unseres Lebens wächst viel Gutes und auch viel Fragwürdiges (im wörtlichen Sinn, der Frage Würdiges). Geduldig all dem zu begegnen, ohne vorschnell und vorurteilshaft Entscheidungen fällen, die uns nicht zustehen, dazu möchten die heutigen Geschichten uns ermutigen und einladen.
Die Frage steht allerdings immer noch im Raum: „Warum tut er das? Warum kann er nicht gönnen? Warum kann er sich nicht an dem Leben der anderen erfreuen, sondern meint, es eigenmächtig überrollen zu dürfen?“ Und wer ist eigentlich dieser unbekannte ‚er‘?
Sollten wir uns jetzt angesprochen fühlen, dann stellt sich uns doch die Frage nach unserer Ungeduld und warum wir Gott nicht die Entscheidung belassen können, die Zeit der Ernte zu bestimmen
M’r muss och jönne könne. Gott wird es richten, nicht wir.
Ansprache zum 16. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ansprache zum 16. Sonntag im Jahreskreis A-2026:
Warum macht der das? Was kann einen Menschen veranlassen, bewusst einem anderen Schaden zufügen zu wollen? Da sät einer wissentlich Unkraut aufs Feld seines Nachbarn, um der Ernte zu schaden. Das ist doch gemein. Warum gönnt einer dem anderen - eine der anderen - keine gute Ernte? Der Rheinländer sagt so schön: „Man muss och jönne könne“. Warum gönnen Menschen einander die Ernte ihres Lebens nicht? Warum wollen sie zunichtemachen, was andere sich in ihrem Leben mühsam erarbeitet haben?
Um im Bild des gehörten Gleichnisses zu bleiben: Ein Landwirt bereitet seinen Acker. Ich wohne ja auf dem Heinsberger Land und darf tagtäglich sehen, mit welcher Sorgfalt die Bauern ihre Äcker bestellen. Am vergangenen Woche hat unser Bauer den Raps geschnitten; ein paar Tage zuvor den Weizen geerntet, um einem Verbrennen durch die Sonne vorzubeugen.
Das ist harte Arbeit; eine Arbeit, die auch zu meinem Wohl beiträgt, denn ich – und natürlich viele andere – profitieren von dem, woran die Bauern sich abarbeiten. Wenn ich in unserem Bauernladen die Eier und das frische Gemüse kaufe oder auch mein Müsli, dann sehe ich immer in den Augen meines Gegenüber Dankbarkeit und Stolz über das selbst er- und später dann verarbeitete Produkt. Das ist schon was anderes, dort beim Erzeuger einzukaufen, als wenn ich zum Kaufland oder zum Aldi gehe. Da spüre ich eine innige Beziehung zwischen dem Menschen und dem Produkt, was ich kaufe. Zwischen Mensch und Tier, wie auch zwischen Mensch und all dem Schönen, was auf den Feldern wächst: Da ist eine echte, innige Beziehung.
Und dann kommt da jemand, und will zerstören, was ein Mensch sich aufgebaut hat. Das ist schlicht gemein, das gehört sich nicht; der normale Menschenverstand sagt einem schon, dass dies unrecht ist. Und trotzdem tut er es. Der Mensch wird des Menschen Feind. Das spüren wir allenthalben. Und das auch in vielen anderen Kontexten. Im Kleinen wie im Großen gönnen Menschen den anderen nicht ihre Lebensleistung.
Heute Mittag (bzw. Samstagmittag) sind Menschen anlässlich des Christopher Street Day durch die Stadt gezogen, die nichts anderes sind als alle anderen auch: liebenswürdige wie auch liebesbedürftige Menschen; Menschen, die sich sehnen nach einem sinnerfüllten Leben; und Sinn macht ein Leben dann, wenn es sich einem anderen bzw. einer anderen schenken darf; Sinn macht ein Leben dann, wenn es erfahren und spüren darf, wertvoll und kostbar zu sein; Sinn macht ein Leben dann, wenn Liebe ist. Nicht wen ein Mensch liebt ist vorrangig, sondern dass er liebt; nicht wem ich meine Liebe schenke ist wichtig, sondern dass ich sie schenke. Augustinus hat das in einem Satz zusammengefasst: „Liebe und dann tu, was du willst“.
Trotz weitreichenden Errungenschaften aber wird das Leben queerer Menschen immer wieder hinterfragt, beargwöhnt und nicht selten werden sie auch mit Abneigung und Hass konfrontiert. Dass die jetzige Regierung queere Menschen begleitenden Organisationen zugesagte Gelder streitig macht, ist für rechtsradikale Parteien und Gruppierungen Wasser auf die Mühlen ihrer Vorurteile.
Wie geht die Erzählung weiter, die wir heute im Evangelium gehört haben? Der Gutsherr bleibt geduldig; er beruhigt seine Mitarbeitenden, nicht vorschnell zu handeln. „Lass alles wachsen“. Ich bewundere diese Geduld des Gutsherren. Es wäre doch wirklich leichter, das Unkraut gleich bei der Wurzel zu fassen, bevor es noch mehr wuchert. Und eine ganz andere Perspektive: Vielleicht bewahrheitet sich, dass das, was vermeintlich als Unkraut gilt, doch etwas Kostbares und Fruchtbares ist. Erinnern wir uns: Wir würden nie die sättigende Gabe der Kartoffel genießen können, wenn nicht ein Bauer irgendwann nicht die Blätter sondern eben die Wurzel als schmackhaft erkannt hätte.
Da war es so schön zu sehen, dass die Teilnehmenden der Parade so fröhlich lachend ihres Weges gegangen sind. Entgegen so vieler Ausgrenzungstendenzen in unserer Gesellschaft haben sie sichtbar gemacht, worauf es ankommt: dem Leben Gutes, Liebevolles, Dankbares abzugewinnen. Die Zeit der Ernte bestimmen nicht wir, sondern Gott.
Das Bild des heutigen Evangeliums warnt uns vor voreiligen Schlüssen: Uns steht es nicht zu, zu entscheiden, was guter Weizen und böses Unkraut ist. Und nicht wir bestimmen die Zeit der Reife, sondern Gott.
Uns Menschen fehlt zu oft die Geduld und auch der Mut, die Zeit der Reife, die Gott bestimmt, abzuwarten. Wer zu früh beginnt, das Feld zu ernten, der darf sich nicht wundern, wenn nichts reif ist und auch nichts von Nutzen ist. Auf dem Feld unseres Lebens wächst viel Gutes und auch viel Fragwürdiges (im wörtlichen Sinn, der Frage Würdiges). Geduldig all dem zu begegnen, ohne vorschnell und vorurteilshaft Entscheidungen fällen, die uns nicht zustehen, dazu möchten die heutigen Geschichten uns ermutigen und einladen.
Die Frage steht allerdings immer noch im Raum: „Warum tut er das? Warum kann er nicht gönnen? Warum kann er sich nicht an dem Leben der anderen erfreuen, sondern meint, es eigenmächtig überrollen zu dürfen?“ Und wer ist eigentlich dieser unbekannte ‚er‘?
Sollten wir uns jetzt angesprochen fühlen, dann stellt sich uns doch die Frage nach unserer Ungeduld und warum wir Gott nicht die Entscheidung belassen können, die Zeit der Ernte zu bestimmen
M’r muss och jönne könne. Gott wird es richten, nicht wir.